Repräsentative Wahlstatistik zur Bundestagswahl 2017

Wie haben Frauen und Männer unterschiedlicher Altersgruppen gewählt? Antwort auf diese Frage gibt die Repräsentative Wahlstatistik. Sie basiert auf der tatsächlichen Stimmabgaben der Wählerinnen und Wähler in den ausgewählten Stimmbezirken. Unter strikter Wahrung des Wahlgeheimnisses wurden zur Bundestagswahl 2017 in 168 ausgewählten Stimmbezirken mit Geschlecht und Altersgruppen gekennzeichnete Stimmzettel ausgegeben. Die Ergebnisse der rund 97.000 ausgewerteten Stimmzettel liefern wichtige Erkenntnisse über das aktuelle Wählerverhalten sowie Veränderungen gegenüber früheren Wahlen. Die Repräsentative Wahlstatistik gibt es seit 1953.

Anteilsergebnis der Parteien nach Geschlecht und Altersgruppen

Die CDU und die GRÜNEN haben auch bei dieser Wahl von den Frauen höhere Stimmenanteile erhalten. Bei der SPD, der AfD, der FDP und der Partei DIE LINKE lag das Ergebnis der Männer dagegen über dem der Frauen.

Eine differenzierte Untersuchung einzelner Altersgruppen zeigt, dass die CDU besonders häufig von den älteren Menschen gewählt wird. Ihren mit Abstand höchsten Stimmenanteil erzielten die Christdemokraten bei den 70-jährigen und älteren Frauen. Hier kam die Union auf 51,4 Prozent der gültigen Stimmen (Landesergebnis in der Stichprobe: 35,0 Prozent). Den geringsten Stimmenanteil musste die CDU mit einem Anteilsergebnis von 23,2 Prozent bei den 18- bis 24-jährigen Männern hinnehmen.

Die SPD erzielte ihre höchsten Zweitstimmenanteile ebenfalls bei den älteren Wählerinnen und Wählern. Das beste Ergebnis gab es für die Sozialdemokraten mit 30,6 Prozent bei den 70-jährigen und älteren Männern (Landesergebnis in der Stichprobe: 24,1 Prozent). Die geringste Zustimmung fand die Partei mit einem Stimmenanteil von nur 17,8 Prozent bei den Männern im Alter von 35 bis 44 Jahren.

Die AfD fand bei den Menschen im mittleren Alter die größte Zustimmung. Am höchsten war der Stimmenanteil mit 18,5 Prozent bei den 35- bis 44-jährigen Männern (Landesergebnis in der Stichprobe: 11,2 Prozent). Den geringsten Stimmenanteil erzielte die Partei mit 4,7 Prozent bei den über 70-jährigen Frauen.

Die FDP erzielte ihr bestes Ergebnis bei den Männern im Alter von 18 bis 24 Jahren. Von dieser Personengruppe erhielt sie 17,5 Prozent der gültigen Stimmen (Landesergebnis in der Stichprobe: 10,6 Prozent). Den geringsten Zweitstimmenanteil bekamen die Liberalen mit 8,3 Prozent von den 70-jährigen und älteren Frauen.

Die GRÜNEN holten ihren mit Abstand höchsten Zweitstimmenanteil bei den 18- bis 24-jährigen Frauen. Von dieser Personengruppe bekamen sie 18,4 Prozent der gültigen Stimmen (Landesergebnis in der Stichprobe: 8,3 Prozent). Am schlechtesten schnitten die GRÜNEN mit nur 2,2 Prozent bei den 70-jährigen und älteren Männern ab.

Die Partei DIE LINKE war mit einem Zweitstimmenanteil von 10,0 Prozent in der Altersgruppe der 18- bis 24-jährigen Männer besonders erfolgreich (Landesergebnis in der Stichprobe: 7,0 Prozent). Das schlechteste Ergebnis für DIE LINKE gab es mit nur 2,2 Prozent bei den 70-jährigen und älteren Frauen.

Gewinne und Verluste

Im Vergleich zur Bundestagswahl 2013 ging der Stimmenanteil der CDU bei den Männern (–9,1 Prozentpunkte) stärker zurück als bei den Frauen (–7,4 Prozentpunkte). Für die Christdemokraten hat sich das Ergebnis in allen Altersgruppen verschlechtert. Den geringsten Rückgang verzeichnete die Partei bei den 70-Jährigen und Älteren (–6,5 Prozentpunkte), den höchsten bei den 25- bis 34-Jährigen (–10,2 Prozentpunkte).

Auch bei der SPD ging der Stimmenanteil bei den Männern (–4,0 Prozentpunkte) stärker zurück als bei den Frauen (–2,4 Prozentpunkte). Im Vergleich zur Wahl 2013 hat die SPD in allen Altersgruppen einen niedrigeren Zweitstimmenanteil. Das geringste Minus verzeichnete die Partei bei den 70-jährigen und älteren Wählerinnen und Wählern (–0,1 Prozentpunkte). Am stärksten ging der Stimmenanteil bei den 45- bis 59-Jährigen zurück (–5,0 Prozentpunkte).

Bei der Wahl 2017 konnte die AfD ihren Zweitstimmenanteil bei den Männern um 8,5 Prozentpunkte, bei den Frauen um 4,4 Prozentpunkte steigern. Gegenüber 2013 hat die AfD in allen Altersgruppen einen höheren Zweitstimmenanteil. Am stärksten verbesserte sie ihr Ergebnis bei den 35- bis 44-Jährigen (+8,3 Prozentpunkte). Das geringste Anteilsplus verzeichnete die Partei bei den Wählerinnen und Wählern unter 25 Jahren (+1,0 Prozentpunkt).

Die FDP konnte ihr Ergebnis von vor vier Jahren bei den Männern um 5,4 Prozentpunkte und bei den Frauen um 4,6 Prozentpunkte steigern. Gegenüber der Bundestagswahl 2013 gab es für die Liberalen in allen Altersgruppen Anteilsgewinne. Besonders stark legte die Partei bei den 18- bis 24-Jährigen zu (+7,4 Prozentpunkte). Den geringsten Anstieg gab es bei den 70-Jährigen und Älteren (+2,7 Prozentpunkte).

Bei der Wahl 2017 verbesserten die GRÜNEN ihr Anteilsergebnis bei den Wählerinnen um 0,5 Prozentpunkte und bei den Wählern um 0,4 Prozentpunkte. Im Vergleich zu 2013 verbesserten sie ihren Stimmenanteil am stärksten bei den 18- bis 24-Jährigen (+2,6 Prozentpunkte). Bei den 35- bis 44-Jährigen mussten die GRÜNEN die größten Verluste hinnehmen (–0,9 Prozentpunkte).

Gegenüber dem Ergebnis der Bundestagswahl von 2013 verbesserte DIE LINKE den Zweitstimmenanteil bei den Frauen um 1,7 Prozentpunkte und bei den Männern um 1,9 Prozentpunkte. Im Vergleich zur vorangegangenen Bundestagswahl stieg ihr Zweitstimmenanteil bei den 18- bis 24-Jährigen am stärksten (+4,6 Prozentpunkte), bei den 70-Jährigen und Älteren am schwächsten (+0,2 Prozentpunkte).

Nutzung des Stimmensplittings

Wie schon bei vorangegangenen Bundestagswahlen nutzten die Wählerinnen und Wähler der CDU und SPD das Stimmensplitting vergleichsweise selten, die Wählerinnen und Wähler der AfD, FDP, GRÜNE und DIE LINKE dagegen relativ oft.

Von 1.000 Wählerinnen und Wählern, die mit ihrer Zweitstimme die CDU wählten, gaben nur 135 der Bewerberin oder dem Bewerber einer anderen Partei ihre Erststimme (2013: 112). Vom Stimmensplitting der CDU-Wählerschaft profitierten vor allem die Sozialdemokraten (60 Erststimmen).

Auch die SPD-Wählerinnen und -Wähler haben selten ein Splitting ihrer Stimmen vorgenommen. Von 1.000 Wählerinnen und Wählern der SPD gaben 161 einer anderen Partei ihre Erststimme (2013: 134). Vom Stimmensplitting der SPD-Wählerschaft profitierten die Christdemokraten (72) am stärksten.

Von 1.000 Zweitstimmenwählerinnen und -wählern der AfD gaben 246 ihre Erststimme einer Kandidatin bzw. einem Kandidaten einer anderen Partei oder wählten ungültig. Bei der Bundestagswahl vor vier Jahren waren es noch 948; damals ist die AfD allerdings nur in einem der 15 rheinland-pfälzischen Wahlkreise mit einem Direktkandidaten angetreten, diesmal dagegen in 14 Wahlkreisen. Vom Stimmensplitting der AfD-Wählerschaft profitierten die Christdemokraten (76) am stärksten.

Die Zweitstimmenwählerinnen und -wähler der FDP haben am häufigsten mit ihrer Erststimme Direktkandidatinnen oder Direktkandidaten anderer Parteien gewählt. Von 1.000 FDP-Wählerinnen und -Wählern gaben 567 der Bewerberin oder dem Bewerber einer anderen Partei ihre Erststimme (2013: 711). Am stärksten profitierte davon die CDU (387).

Die Wählerinnen und Wähler der GRÜNEN (2017: 545 von 1.000) und der Partei DIE LINKE (2017: 408 von 1 000) haben ihre Stimmen seltener aufgeteilt als die Wählerinnen und Wähler der FDP. Bei beiden Parteien waren es allerdings etwas mehr als 2013. Wenn die Wählerinnen und Wähler der GRÜNEN und der Partei DIE LINKE gesplittet haben, dann haben sie ihre Erststimme überwiegend an eine Direktkandidatin bzw. einem Direktkandidaten der SPD vergeben (297 bzw. 215).

Wahlbeteiligung

Zusätzlich zum Wahlverhalten untersuchte das Statistische Landesamt auch die Wahlbeteiligung. Dazu wurden in den 139 Urnenwahlbezirken die Wählerverzeichnisse nach Geschlecht und zehn Altersgruppen ausgewertet. Bei der Bundestagswahl 2017 machten 77,6 Prozent der Männer und 77,1 Prozent der Frauen von ihrem Wahlrecht Gebrauch (Wahlbeteiligung in der Stichprobe: 77,3 Prozent).

Nicht erst bei dieser Wahl fällt auf, dass vor allem bei jungen Wählerinnen und Wählern das Wahlinteresse relativ gering ist. Mit zunehmendem Alter steigt es dann stetig an, erreicht in der Altersgruppe der 60- bis 69-Jährigen ein Maximum und nimmt bei den höher Betagten wieder ab.
Differenziert nach Geschlecht und Altersgruppen zeigten bei dieser Wahl die 25- bis 29-jährigen Männer mit 66,2 Prozent das geringste Wahlinteresse. Am häufigsten gingen die Männer im Alter von über 60 Jahren zur Wahl. Hier hatten die 60- bis 69-jährigen Männer (83,2 Prozent) noch vor den 70-jährigen und älteren Männern (83,0 Prozent) die höchste Wahlbeteiligung überhaupt.

In allen zehn untersuchten Altersgruppen war das Wahlinteresse größer als bei der Bundestagswahl 2013. Bei den jüngeren Wahlberechtigten stieg die Wahlbeteiligung überproportional. Am stärksten wuchs das Wahlinteresse in der Altersgruppe der 21- bis 24-Jährigen, die bei der Bundestagswahl 2013 das geringste Wahlinteresse gezeigt hatte (+8,7 Prozentpunkte). Am wenigsten stieg die Wahlbeteiligung in den Altersgruppen der 60- bis 69-Jährigen (+1,7 Prozentpunkte) sowie der 70-Jährigen und Älteren (+1,5 Prozentpunkte).


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