Repräsentative Wahlstatistik zur Europawahl 2019

Im Rahmen der Repräsentativen Wahlstatistik wird die Wahlbeteiligung und das Wählerverhalten nach Geschlecht und Alter analysiert. Um die benötigten Daten zu gewinnen, wurden bei dieser Wahl die Stimmzettel in 149 ausgewählten Stimmbezirken mit entsprechenden Markierungen versehen. Darüber hinaus wurden in ausgewählten Urnenstimmbezirken die Wählerverzeichnisse ausgewertet, um Erkenntnisse über die Wahlbeteiligung nach Geschlecht und Alter zu bekommen.

Der Vorteil der Repräsentativen Wahlstatistik ist zum einen, dass nicht das „beabsichtigte“ oder das nach dem Wahlvorgang „bekundete“ Wählerverhalten von Befragten, sondern die tatsächliche Stimmabgabe der Wähler in den ausgewählten Stimmbezirken ausgewertet werden kann. Zum anderen ist die Zahlenbasis der Repräsentativen Wahlstatistik sehr breit. So waren bei dieser Wahl in Rheinland-Pfalz mehr als 90.100 Wählerinnen und Wähler einbezogen.

Wahlbeteiligung

Die Wahlbeteiligung in Rheinland-Pfalz betrug bei der Wahl zum neunten Europäischen Parlament am 26. Mai 2019 laut amtlichem Endergebnis 64,8 Prozent. Im Vergleich zur Europawahl 2014 stieg das Wahlinteresse deutlich um 7,8 Prozentpunkte. Die Beteiligung lag somit höher als bei den vier vorangegangenen Europawahlen und erreichte den höchsten Wert seit 1994.

Vergleicht man die Wahlbeteiligung nach Geschlecht, fallen die Unterschiede relativ gering aus. An der Europawahl 2019 beteiligten sich in den für die Stichprobe ausgewählten Wahlbezirken 64,8 Prozent der wahlberechtigten Frauen und 64,3 Prozent der wahlberechtigten Männer. Die Frauen nutzten somit etwas häufiger ihr Wahlrecht als die Männer. Bei der Europawahl 2014 verhielt es sich noch umgekehrt. Damals gaben 56,9 Prozent der wahlberechtigten Männer und 56,6 Prozent der wahlberechtigten Frauen ihre Stimme ab. Das Wahlinteresse der Frauen stieg gegenüber der Europawahl 2014 um 8,2 Prozentpunkte, das der Männer um 7,4 Prozentpunkte.

Deutlich stärker als das Geschlecht steht das Alter mit dem Wahlinteresse in Zusammenhang. Bei der Betrachtung der Wahlbeteiligung nach dem Alter zeigt sich bei verschiedenen Wahlen ein typischer Verlauf, demzufolge die Beteiligung mit höherem Alter tendenziell zunimmt. Dieser Verlauf ist auch bei der Europawahl 2019 zu erkennen, hat sich aber gegenüber 2014 abgeschwächt.

Stimmenanteile der Parteien

Für das Abstimmungsverhalten der Wählerinnen und Wähler sind neben sozialen und ökonomischen Faktoren auch das Geschlecht und das Alter von Bedeutung, deren Einfluss mithilfe der Repräsentativen Wahlstatistik untersucht wird.

Eine Differenzierung nach Geschlecht und Altersgruppen zeigt, dass die CDU den mit Abstand höchsten Stimmenanteil bei den 70-jährigen und älteren Frauen erzielte. In dieser Personengruppe kam die Union auf 50,3 Prozent der gültigen Stimmen. Bei den gleichaltrigen  Männern  erreichte  sie  mit  46,9  Prozent  das  zweitbeste  Ergebnis.  Den geringsten Stimmenanteil musste die CDU bei den Frauen und Männern im Alter von 18 bis 24 Jahren hinnehmen (14,9 bzw. 15 Prozent).

Die besten Ergebnisse erzielte die SPD bei den 70-jährigen und älteren Männern und Frauen (28,7 bzw. 28,5 Prozent). Die geringste Zustimmung fand sie bei den 18- bis 24- sowie bei den 25- bis 34-jährigen Männern. Dort kamen sie lediglich auf einen Stimmenanteil von 11,4 bzw. 12,6 Prozent.

Die GRÜNEN erhielten ihre höchsten Stimmenanteile von den unter 60-jährigen Frauen sowie den unter 25-jährigen Männern In diesen fünf Altersgruppen erzielten sie Stimmenanteile von mehr als 20  Prozent.  Bei den 18- bis 24-jährigen Wählerinnen kamen sie sogar auf 40  Prozent der gültigen Stimmen. Am schlechtesten schnitten die GRÜNEN bei den 70-jährigen und älteren Männern ab. In dieser Altersgruppe erzielten sie einen Stimmenanteil von lediglich 5,8 Prozent.

Ihre besten Ergebnisse erzielte die AfD bei den Männern im Alter von 25 bis 69 Jahren. In diesen vier Altersgruppen lag der Stimmenanteil bei mehr als zehn Prozent. Das beste AfD-Ergebnis gab es bei den 35- bis 44-jährigen Männern (16,9 Prozent). Die geringste Zustimmung fand die Partei bei den unter 25-jährigen Frauen (3,1 Prozent)

Die FDP schnitt mit Abstand am besten bei den Männern im Alter von 18 bis 24 Jahren ab. In dieser Altersgruppe erzielte sie 11,7 Prozent der gültigen Stimmen. Den geringsten Stimmenanteil bekamen die Liberalen von den 70-jährigen und älteren Frauen. In dieser Altersgruppe belief sich der Stimmenanteil auf 4,1 Prozent.

DIE LINKE erhielt ihren höchsten Stimmenanteil von den 18- bis 24-jährigen Frauen und Männern (5,8 bzw. 5,3 Prozent). Am schlechtesten schnitt die Partei mit nur 0,9 Prozent bei den 70-jährigen und älteren Frauen ab.

Gewinne und Verluste

Die CDU hat auch bei dieser Europawahl von den Frauen mehr Stimmen erhalten als von den Männern. Der Stimmenanteil der Frauen (33,2 Prozent) übertraf den der Männer (31,6 Prozent) um 1,6 Prozentpunkte. Im Vergleich zur Europawahl 2014 ging der Stimmenanteil der CDU bei den Frauen (–7,1 Prozentpunkte) stärker zurück als bei den Männern (–4,2 Prozentpunkte). Dadurch hat sich die Differenz zwischen den Stimmenanteilen der Frauen und der Männer gegenüber der letzten Europawahl um 2,9 Prozentpunkte verringert.

Anders als 2014 schnitt die SPD bei dieser Europawahl bei den Frauen (22 Prozent) um 1,6 Prozentpunkte besser ab als bei den Männern (20,4 Prozent). Damals lag der Stimmenanteil der Männer noch um 0,7 Prozentpunkte höher. Gegenüber der Wahl 2014 ging der Stimmenanteil der SPD bei den Männern (–10,4 Prozentpunkte) stärker zurück als bei den Frauen (–8,1 Prozentpunkte).

Traditionell schneiden die GRÜNEN bei Wahlen bei den Frauen besser ab als bei den Männern. Bei dieser Europawahl gaben 19 Prozent der Frauen und 14,5 Prozent der Männer den GRÜNEN ihre Stimme (Differenz von 4,5 Prozentpunkten). Gegenüber 2014 verbesserten die GRÜNEN ihr Anteilsergebnis bei den Wählerinnen um 9,1 Prozentpunkte und bei den Wählern um 7,4 Prozentpunkte. Damals betrug der Abstand zugunsten der Frauen 2,8 Prozentpunkte.

Die AfD erreichte bei Männern wieder einen deutlich höheren Stimmenanteil als bei Frauen. Bei den Männern erzielte die Partei einen Anteil in Höhe von 12,7 Prozent. Von den Frauen bekam die Partei dagegen nur 6,4 Prozent, also 6,3 Prozentpunkte weniger. Vor fünf Jahren lag diese Differenz noch bei 4,2 Prozentpunkten. Bei der Wahl 2019 konnte die AfD ihren Stimmenanteil bei den Männern um 3,7 Prozentpunkte, bei den Frauen um 1,6 Prozentpunkte steigern.

Die FDP bekam von den Männern eine größere Zustimmung als von den Frauen. Die Männer wählten die Liberalen mit einem Anteil von 6,5 Prozent, bei den Frauen erreichte die Partei 5,1 Prozent. Die Anteilsdifferenz betrug 1,4 Prozentpunkte und war damit etwas größer als bei der Europawahl 2014 (0,8 Prozentpunkte). Die Liberalen konnten ihr Ergebnis von vor fünf Jahren steigern. Bei den Männern erhöhte sich ihr Stimmenanteil um 2,4 Prozentpunkte, bei den Frauen um 1,8 Prozentpunkte.

Die Partei DIE LINKE erreichte bei den Männern einen etwas höheren Stimmenanteil als bei den Frauen. Bei den Männern erzielte die Partei 3,1 Prozent, von den Frauen bekam sie 2,8 Prozent der gültigen Stimmen. Gegenüber dem Ergebnis der Europawahl von 2014 ging der Stimmenanteil für DIE LINKE bei den Männern um 1,1 Prozentpunkte, bei den Frauen lediglich um 0,1 Prozentpunkte zurück. Der Abstand verringerte sich damit von 1,3 auf 0,3 Prozentpunkte.

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