Inhalt und Methode

Die enge Kooperation zwischen Geschichtswissenschaft und amtlicher Statistik im Rahmen des Veröffentlichungsprojekts „Kreuz - Rad – Löwe“ macht eine Besonderheit dieser ersten umfassenden Gesamtdarstellung der Geschichte des rheinland-pfälzischen Raumes aus. Der Band „Historische Statistik“, der vom Statistischen Landesamt Rheinland-Pfalz herausgegeben wird, betrachtet die Geschichte der heute zu Rheinland-Pfalz gehörenden Gebiete aus dem Blickwinkel der amtlichen Statistik und erweitert damit die Perspektive der landeshistorischen Forschung.

Der Band zur historischen Statistik berücksichtigt so weit wie möglich auch Daten aus dem späten 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Zusammenstellung dieser Statistiken war sehr aufwendig.

  • Die heutigen rheinland-pfälzischen Gebiete gehörten noch zu vier verschiedenen Staaten (Königreich Preußen, Königreich Bayern, Großherzogtum Hessen, Großherzogtum Oldenburg).
  • Die Daten wurden aus den Veröffentlichungen der Statistischen Ämter der einzelnen Staaten zusammengestellt und auf das Gebiet des heutigen Bundeslandes umgerechnet.
  • Zu diesem Zweck wurden über 1.000 historische Statistikbände aus der Zeit von 1871 an ausgewertet.
  • Für den Bereich der Bevölkerungsstatistik konnten auf diese Weise Datenreihen gewonnen werden, die vom Gründungsjahr des Deutschen Reiches 1871 bis zur Gegenwart reichen. Die übrigen Datenreihen beginnen in der Regel erst nach der Landesgründung.

 

 

Ausgewählte Ergebnisse

Die rekonstruierten Datenreihen erzählen eine Geschichte von Wachstum und Wohlstandsentwicklung im rheinland-pfälzischen Raum.

  • Die Bevölkerung auf dem Gebiet des heutigen Bundeslandes Rheinland-Pfalz hat sich in den vergangenen 140 Jahren mehr als verdoppelt. Sie stieg von gut 1,8 auf rund vier Millionen.
  • Gleichzeitig erreichen die Menschen ein immer höheres Lebensalter. 1871 waren 4,4 Prozent der Menschen 65 Jahre und älter, heute gehören schon über 20 Prozent der Bevölkerung dieser Altersgruppe an. Das Durchschnittsalter (Medianalter) der Bevölkerung hat sich in diesem Zeitraum von 22 Jahren auf 43 Jahre fast verdoppelt.  
  • Die Säuglingssterblichkeit ging kontinuierlich zurück. Während 1871 etwa 160 von 1.000 Kindern im ersten Lebensjahr starben, waren es 2009 noch vier.
  • Den Einwohnern des Landes steht immer mehr Wohnraum zur Verfügung. Im Jahr 1880 teilten sich durchschnittlich sechs Personen ein Wohngebäude, heute liegt die durchschnittliche Bewohnerzahl bei weniger als vier Personen.
  • Der Zugang zu höherer Schulbildung hat sich deutlich verbessert. Machten 1950 noch zwei Prozent der Mädchen und fünf Prozent der Jungen eines Jahrgangs Abitur, waren es 2010 bereits 38 Prozent der Mädchen und 29 Prozent der Jungen.
  • Die Zahl der Studierenden an rheinland-pfälzischen Hochschulen hat sich zwischen 1950 und 2010 von knapp 6.000 auf 113.000 verzwanzigfacht.
  • Die Zahl der Erwerbstätigen ist zwischen 1950 und 2010 von knapp 1,5 Millionen auf gut 1,9 Millionen gewachsen; dies bedeutet einen Anstieg um knapp 30 Prozent.
  • Die nominale Bruttowertschöpfung hat sich seit 1970, dem Anfangspunkt der aktuellen Berechnungsreihe, von knapp 18 Milliarden auf gut 96 Milliarden Euro verfünffacht.
  • Gleichzeitig trat ein deutlicher Wandel in der Wirtschaftsstruktur ein. Während die Wertschöpfungsanteile von Dienstleistungssektor und produzierendem Gewerbe 1970 in etwa gleich groß waren, ist der Wertschöpfungsanteil des Dienstleistungsbereichs heute mit knapp 70 Prozent mehr als doppelt so groß wie der des produzierenden Gewerbes.
  • Im Land gibt es immer mehr Ärzte. Ihre Zahl stieg von 1950 bis 2010 von 3.300 auf knapp 15.800.
Demografische Entwicklung

Der Band zur historischen Statistik bietet auch die Möglichkeit, die demografische Entwicklung - eine der großen Herausforderungen der Zukunft - in längerfristiger Perspektive zu analysieren.

  • Vom 19. Jahrhundert bis zur Mitte der 1970er Jahre gab es ein anhaltendes Bevölkerungswachstum, das durch die beiden Weltkriege unterbrochen wurde und sich anschließend fortsetzte.
  • In den 1970er Jahren setzte erstmals aufgrund der stark gesunkenen Geburtenrate ein Bevölkerungsrückgang ein, der aber durch einen Anstieg der Zuwanderung ab der Mitte der 1980er Jahre zunächst ausgeglichen wurde.
  • Seit dem Jahr 2005 schrumpft die rheinland-pfälzische Bevölkerung wieder.
  • Die Auswirkungen von sinkender Geburtenrate und steigender Lebenserwartung auf die Altersstruktur der Bevölkerung zeigt auch der Vergleich der im Buch abgebildeten Bevölkerungspyramiden der Jahre 1871 und 2009 auf eindrucksvolle Weise. So standen zum Beispiel 1871 einer Person im Alter von 65 Jahren und darüber zehn Personen unter 20 Jahren gegenüber; 1950 kamen auf eine Person im Alter von 65 Jahren und darüber gut drei Personen unter 20 Jahren. Heute übersteigt die Zahl der 65-Jährigen und älteren Personen die der unter 20-Jährigen.