Rheinland-pfälzische Studienberechtigte zieht es in die Nachbarländer

Im Wintersemester 2017/18 entschieden sich rund 66.200 rheinland-pfälzische Studienberechtigte für ein Studium in einem anderen Bundesland. Wie das Statistische Landesamt in Bad Ems mitteilt, waren das 2,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Besonders gefragt waren die Hochschulen in den angrenzenden Ländern Nordrhein-Westfalen (19.000), Baden-Württemberg (15.700) und Hessen (14.200).

Umgekehrt studierten 58.300 junge Erwachsene in Rheinland-Pfalz, die ihre Hochschulzugangsberechtigung in einem anderen Bundesland erworben haben. Neben den Studierenden aus anderen Bundesländern waren rund 10.300 Studierende mit einer im Ausland erworbenen Studienberechtigung an einer der rheinland-pfälzischen Hochschulen immatrikuliert. Insgesamt kamen 56 Prozent der Studierenden aus anderen Bundesländern oder dem Ausland.

Wird die Abwanderung von rheinland-pfälzischen Studienberechtigten von den aus anderen Bundesländern zugezogenen Studierenden abgezogen, ergibt sich der sogenannte Studierendenwanderungssaldo. Obwohl aus dem Saarland (plus 5.600) und Hessen (plus 1.200) mehr Studierende zugewandert als dorthin abgewandert sind, ist der Studierendenwanderungssaldo im Wintersemester 2017/18 mit minus 7.900 deutlich negativ ausgefallen. Grund dafür ist, dass wesentlich mehr rheinland-pfälzische Studienberechtigte in den Ländern Nordrhein-Westfalen (minus 6.400), Baden-Württemberg (minus 4.200) und Berlin (minus 1.800) ein Studium aufgenommen haben als umgekehrt.

Mit Blick auf die Entwicklung der vergangenen Jahre wird deutlich, dass der Wanderungssaldo kontinuierlich zurückging und seit 2014/15 negativ ausfällt. Ursache dafür ist unter anderem der Wegfall der Studiengebühren in den anderen Bundesländern und die hohe Attraktivität einzelner Hochschulen in benachbarten Bundesländern, beispielsweise die RWTH Aachen und das Karlsruher Institut für Technologie in den naturwissenschaftlich-technischen Fächern oder die Universitäten Mannheim und Frankfurt in den wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen.

Es fällt auf, dass der negative Studierendenwanderungssaldo bei Männern (minus 7.300) wesentlich stärker war als bei den Frauen (minus 600). Dies begründet sich zum einen durch die geringere studienbedingte Abwanderung der Frauen und zum anderen durch die vergleichsweise hohe Zahl der Frauen, die aus Hessen für ein Studium nach Rheinland-Pfalz zuwanderten. Diese unterschiedliche Entwicklung ist ein Hinweis darauf, dass Studiengänge, die eher von Frauen belegt werden, an rheinland-pfälzischen Hochschulen besonders attraktiv sind. Umgekehrt besteht in Rheinland-Pfalz der Bedarf, die Attraktivität der Studiengänge, die traditionell eher von Männern ausgewählt werden, zu fördern.

Die Daten stammen aus der Studierendenstatistik. Diese Daten werden von den Hochschulen für alle Studierenden im Wintersemester sowie für alle Erstimmatrikulierten und Exmatrikulierten auch im Sommersemester an die statistischen Landesämter gemeldet. Die Auswertung der Studierendenströme über Landesgrenzen hinweg erfolgt durch das Statistische Bundesamt.

Autor: Dr. Marco Schröder (Referat Bildung)