Statistischer Landesausschuss befasste sich mit Zensus 2021 und neuen Daten

Der Zensus 2021 war ein Schwerpunktthema der 53. Tagung des Statistischen Landesausschusses am Mittwoch in Bad Ems. Das Gremium begrüßte, dass Bundestag und Bundesrat sich auf Erweiterungen des Erhebungskatalogs unter anderem um die Gründe und die Dauer für Wohnungsleerstände sowie zur Nettokaltmiete geeinigt haben. Die zwischen Bund und Ländern umstrittenen Punkte, insbesondere zu Finanzierungsfragen, müssten allerdings zeitnah geklärt werden, um Planungssicherheit für die in zwei Jahren anstehende Großerhebung zu bekommen.

Der Auf- und Ausbau eines Steuerungsregisters, in das unter anderem Daten von Melde- und Vermessungsbehörden einfließen, bestimmt aktuell die Arbeiten zur Vorbereitung des Zensus. Die Planung für die Einrichtung der kommunalen Erhebungsstellen sowie eine Vorbefragung der Leitungen von Wohnheimen und ähnlichen Einrichtungen (sog. Sonderbereiche) sind weitere Aufgabenschwerpunkte im laufenden Jahr.

Geheimhaltung neu denken
Breiten Raum nahm bei der Tagung das Thema statistische Geheimhaltung ein. Die amtliche Statistik sichert die im Bundesstatistikgesetz verankerte Geheimhaltung, d. h., Daten werden so dargestellt, dass Rückschlüsse auf einzelne Personen oder Unternehmen nicht möglich sind. Zugleich sollen aber die Informationen umfassend und regional tief gegliedert sein. Gerade in Rheinland-Pfalz mit seinen vielen kleinen Gemeinden ergeben sich häufig Schwierigkeiten bei Angeboten wie Meine Heimat und Kommunaldatenprofil oder bei regionalisierten Auswertungen und Datenanfragen. Im Landesausschuss wurden unterschiedliche Methoden der Geheimhaltung präsentiert und die Mitglieder um Rückmeldungen zu den Vorzügen und Nachteilen gebeten. Ein Beitrag zur Verringerung der Probleme könnte sein, Merkmale von der Geheimhaltung auszunehmen, die aufgrund gesetzlicher Normen ohnehin veröffentlicht werden müssen oder die offenkundig sind, etwa Jahresabschlüsse von Aktiengesellschaften oder das Geschlecht und das Alter in der Bevölkerungsstatistik.

Nutzerwünsche zur Erweiterung des Datenangebots
Ideen für die Fortentwicklung des Datenangebots aus Nutzersicht brachte Marc Ferder für den Deutschen Gewerkschaftsbund ein. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der aktuellen Wohnungsnot besteht auch Sicht des DGB Bedarf an kleinräumigen Informationen zum Wohnungsmarkt möglichst auf Gemeindeebene. Angaben zu Wohnungen liegen derzeit aus verschiedenen Statistiken vor, etwa aus dem Mikrozensus, dem Zensus 2011, der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe sowie der Wohnungsfortschreibung. Das Statistische Landesamt wird den Wunsch der Datennutzer nach einer Erhebung auf einheitlicher Grundlage und nach Auswertbarkeit bis auf Gemeindeebene im Verbund der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder vortragen.

Bei der Weiterentwicklung des Erhebungsspektrums der amtlichen Statistik spielen digitale Daten eine wichtige Rolle. Martin Beck vom Statistischen Bundesamt präsentierte verschiedene Ansätze zur Datengewinnung, die in Pilotprojekten vorangetrieben werden, etwa die Nutzung von Mobilfunkdaten etwa für die Pendlerstatistik oder die Heranziehung von Daten aus Scannerkassen für die Verbraucherpreisstatistik.

Kartenbasierte Darstellungen gewinnen in der amtlichen Statistik immer stärker an Bedeutung. Das Statistische Landesamt möchte daher zusammen mit dem Landesamt für Vermessung und Geobasisinformation einen innovativen Kartenviewer auf der Grundlage einer in Hamburg entwickelten Open-Source-Anwendung schaffen. Mit diesem Viewer werden die bestehenden Karten in ein zeitgemäßes Design gebracht und zu einem Bestandteil eines integrierten Regionaldatenangebots weiterentwickelt.

Eine praxisorientierte Anwendung des Landesinformationssystems, der Datenbank des Statistischen Landesamtes, präsentierte Sandra Illner vom Rechnungshof Rheinland-Pfalz. Ein weiterer Punkt war die Nachlese zu den Kommunalwahlen und zur Europawahl.

Der Statistische Landesausschuss berät das Statistische Landesamt und die Landesregierung in Grundsatzfragen der Statistik. Er besteht aus Vertreterinnen und Vertretern der Ministerien, des Rechnungshofes, des Landesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit, der kommunalen Spitzenverbände, der Kammern, der Arbeitgeber- und Unternehmerverbände, der Gewerkschaften sowie der Wissenschaft. Der Ausschuss tagt einmal im Jahr.