Landtagswahl 2016
Erste Analyse des vorläufigen Endergebnisses

Noch in der Wahlnacht hat das Statistische Landesamt in Bad Ems das Ergebnis der Landtagswahl analysiert. Dabei wurden das Abschneiden der Parteien unter anderem regional und nach sozio-demografischen Merkmalen untersucht.

Die Analyse finden Sie unter dem Link: www.statistik.rlp.de/wahlnachtanalyse-lw2016.

Wichtige Ergebnisse im Überblick:

Erstmals in der Geschichte der Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz gab es weniger Wahlberechtigte. Im Vergleich zur Landtagswahl 2011 verringerte sich ihre Zahl um gut 16 300 (–0,5 Prozent). Da am 13. März 2016 aber mehr Bürgerinnen und Bürger von ihrem Recht auf Stimmabgabe Gebrauch machten, stieg die Wahlbeteiligung im Vergleich zu 2011 um 8,6 Prozentpunkte auf 70,4 Prozent. Höher war das Wahlinteresse zuletzt bei der Landtagswahl 1996.

Im Vergleich der Wahlkreise erreichte der Wahlkreis Ingelheim die höchste Beteiligung (77,7 Prozent). Im Wahlkreis Birkenfeld stieg die Wahlbeteiligung am stärksten (+10,8 Prozentpunkte). Die niedrigste Beteiligung verzeichnete der Wahlkreis Kaiserslautern I (58,2 Prozent). In keinem Wahlkreis sank die Wahlbeteiligung.

Die SPD wurde mit 771 709 Landesstimmen stärkste Partei in Rheinland-Pfalz. Im Vergleich zur Landtagswahl 2011 steigerten die Sozialdemokraten die Zahl ihrer Landesstimmen um knapp 105 000 (+16 Prozent). Ihr Landesstimmenanteil stieg leicht auf 36,2 Prozent (+0,5 Prozentpunkte). Im neuen Landtag ist die SPD mit 39 Abgeordneten vertreten (–3 Mandate). Diese setzen sich aus 27 Direktmandaten und zwölf Listenmandaten zusammen.

Die SPD erreichte in den Wahlkreisen insgesamt 36 Prozent der Wahlkreisstimmen und lag damit um 1,7 Prozentpunkte unter dem Ergebnis von 2011. Die Partei erzielte den höchsten Wahlkreisstimmenanteil mit ihrer Spitzenkandidatin Malu Dreyer im Wahlkreis Trier (49,6 Prozent). Den niedrigsten Anteil musste sie mit 23,1 Prozent in Bad Neuenahr-Ahrweiler hinnehmen. In gut der Hälfte der Wahlkreise (26 von 51) konnte die SPD den Anteil der Landesstimmen gegenüber der letzten Landtagswahl steigern.

Die SPD erreichte in den kreisfreien Städten mit einem Anteil der Zweitstimmen von 36,8 Prozent einen leicht höheren Anteilswert als in den Landkreisen (36 Prozent). Die Spannweite reicht von 29,2 Prozent in Ahrweiler bis zu 42,8 Prozent im Landkreis Kusel. Seit 1971 hat die SPD ihr bestes Ergebnis immer in diesem Landkreis geholt.

Bei der kleinräumigen Betrachtung erzielt die SPD ihre höchsten Ergebnisse in den Verbandsgemeinden Kirn-Land (46,6 Prozent), Glan-Münchweiler (45,1 Prozent) und Meisenheim (44,6 Prozent).

Die SPD erreichte in Verwaltungseinheiten mit höherem Protestantenanteil einen Stimmenanteil, der ihr Durchschnittsergebnis (36,1 Prozent) um 3,6 Prozentpunkte übertrifft. Sie büßte allerdings in den protestantisch geprägten Verwaltungseinheiten im Vergleich zum letzten Landtagswahlergebnis Stimmenanteile ein (–2,4 Prozentpunkte).

Die CDU bekam 677 502 Landesstimmen. Sie gewann gegenüber 2011 gut 19 000 Stimmen hinzu (+2,9 Prozent) und kam damit auf einen Stimmenanteil von 31,8 Prozent (–3,4 Prozentpunkte). Im 17. Landtag Rheinland-Pfalz haben die Christdemokraten 35 Sitze, sechs Sitze weniger als im 16. Landtag. Von den Mandaten der CDU sind 24 Direkt- und elf Listenmandate.

Die CDU erreichte in den Wahlkreisen insgesamt 34,8 Prozent der Wahlkreisstimmen und lag damit um 2,1 Prozentpunkte unter dem Ergebnis von 2011. Sie erzielte den höchsten Wahlkreisstimmenanteil im Wahlkreis Bad Neuenahr-Ahrweiler mit 51,2 Prozent. Dort liegt sie deutlich vor der SPD, die in diesem Wahlkreis ihr schwächstes Ergebnis hatte. Den niedrigsten Anteil bekamen die Christdemokraten im Wahlkreis Kusel mit 22,6 Prozent. Bei den Landesstimmen blieb die Union in 49 von 51 Wahlkreisen hinter ihrem Ergebnis von 2011 zurück.

Die Christdemokraten erreichten in den Landkreisen (33,3 Prozent) deutlich höhere Zweitstimmenanteile als in den kreisfreien Städten (27 Prozent). Die Spanne liegt zwischen 22,5 Prozent in Ludwigshafen am Rhein bis zu 43,5 Prozent im Landkreis Cochem-Zell. Seit der Landtagswahl 1991 holte die CDU ihr bestes Ergebnis immer in Cochem-Zell.

Bei der kleinräumigen Betrachtung ergeben sich für die CDU die höchsten Landesstimmenanteile in den Verbandsgemeinden Adenau (51,1 Prozent), Kelberg (49,3 Prozent) und Ulmen (48,2 Prozent).

In Verwaltungseinheiten mit höherem Katholikenanteil erzielte die CDU einen Stimmenanteil, der um 6,3 Prozentpunkte über ihrem durchschnittlichen Stimmenanteil (32,7 Prozent) liegt. Im Vergleich zu 2011 verschlechterte sich das Ergebnis der Christdemokraten aber in den katholisch geprägten Verwaltungseinheiten (–2,6 Prozentpunkte).

Bei ihrer ersten Landtagswahl in Rheinland-Pfalz kommt die AfD auf 267 813 Landesstimmen. Sie sicherte sich damit einen Stimmenanteil von 12,6 Prozent und zieht mit 14 Abgeordneten in den Landtag ein. Damit ist die AfD in der kommenden Legislaturperiode die drittstärkste politische Kraft in Rheinland-Pfalz – vor der FDP und den GRÜNEN.

Die AfD trat erstmals mit 31 Wahlkreiskandidatinnen und -kandidaten an. Davon erreichten 19 Bewerberinnen und Bewerber Wahlkreisstimmenanteile in zweistelliger Höhe. Die Spannweite der Wahlkreisstimmenanteile reichte von 6,5 Prozent im Wahlkreis Mainz I bis 16,6 Prozent im Wahlkreis Worms. Die Landesstimmenanteile der AfD lagen in 37 von 51 Wahlkreisen im zweistelligen Bereich.

Die AfD erreicht in den kreisfreien Städten (13,1 Prozent) höhere Zweitstimmenanteile als in den Landkreisen (+12,4 Prozent). Die Spannweite liegt dabei zwischen 8,1 Prozent in Mainz bis zu 19,9 Prozent in Ludwigshafen am Rhein.

Kleinräumig erzielte die AfD besonders hohe Landesstimmenanteile in der verbandsfreien Gemeinde Germersheim (25,0 Prozent) sowie in den Verbandsgemeinden Lingenfeld (20,4 Prozent) und Rülzheim (20,1 Prozent).

Die AfD erzielte in Verwaltungseinheiten mit höherem Katholikenanteil um 2,5 Prozentpunkte geringere Stimmenanteile als im Durchschnitt der betrachteten Verwaltungseinheiten (12,7 Prozent).

Die FDP errang bei dieser Wahl 132 262 Landesstimmen; das sind fast 53 000 Stimmen mehr als 2011 (+67 Prozent). Die Liberalen steigerten ihren Stimmenanteil um zwei Prozentpunkte auf 6,2 Prozent. Damit ist die FDP nach einer Pause von einer Legislaturperiode wieder mit sieben Abgeordneten im Landtag vertreten.

Die Partei erreichte den höchsten Wahlkreisstimmenanteil im Wahlkreis Südliche Weinstraße (11,2 Prozent) und verzeichnete im Wahlkreis Trier mit 3,8 Prozent den niedrigsten Wahlkreisstimmenanteil. Ihren Landesstimmenanteil konnten die Liberalen in 50 von 51 Wahlkreisen erhöhen. Lediglich in Zweibrücken blieben sie 0,6 Prozentpunkte hinter dem Ergebnis von 2011 zurück.

Die FDP erhält sowohl in den kreisfreien Städten als auch in den Landkreisen einen Landesstimmenanteil von 6,2 Prozent. Die Spannweite reicht von 4,4 Prozent im Landkreis Kusel bis zu 7,4 Prozent in der kreisfreien Stadt Landau in der Pfalz.

Auf kleinräumiger Ebene gab es die besten Ergebnisse der FDP in der Verbandsgemeinde Freinsheim (8,7 Prozent) sowie in den verbandsfreien Gemeinden Limburgerhof (ebenfalls 8,7 Prozent) und Bad Dürkheim (8,6 Prozent).

In Verwaltungseinheiten mit höherem Selbstständigenanteil übertraf der Stimmenanteil der Liberalen ihr Durchschnittsergebnis von 6,2 Prozent um 0,7 Prozentpunkte. Im Vergleich zu ihrem Ergebnis 2011 konnte die FDP ihren Stimmenanteil in diesen Verwaltungseinheiten ausbauen (+2,3 Prozentpunkte).

Die GRÜNEN kommen auf 113 287 Landesstimmen. Sie büßten gut 175 000 Stimmen ein (–61 Prozent). Der Stimmenanteil der Partei sinkt damit auf 5,3 Prozent (–10,1 Prozentpunkte). Die GRÜNEN sind noch mit sechs Abgeordneten im neuen Landtag vertreten; das sind zwölf Mandate weniger als in der vorherigen Legislaturperiode.

Die GRÜNEN erreichten insgesamt einen Wahlkreisstimmenanteil von 6,4 Prozent und verloren damit deutlich gegenüber der Landtagswahl im Jahr 2011 (–7,8 Prozentpunkte). Der Kandidat im Wahlkreis Mainz I erzielte den höchsten Stimmenanteil (13,6 Prozent), blieb jedoch hinter dem SPD-Kandidat zurück. Im Wahlkreis Frankenthal (Pfalz) erreichte die Partei mit 4,3 Prozent den geringsten Anteil an Wahlkreisstimmen. Die Landesstimmenanteile der GRÜNEN sanken in allen Wahlkreisen. Das niedrigste Ergebnis musste die Partei im Wahlkreis Pirmasens-Land hinnehmen (3,1 Prozent). Den höchsten Verlust erlitten die GRÜNEN im Wahlkreis Mainz I mit einem Minus von 16,4 Prozentpunkten.

Die Grünen sind deutlich stärker in den kreisfreien Städten als in den Landkreisen. Ihr schlechtestes Ergebnis erhalten die GRÜNEN aus Pirmasens mit 2,6 Prozent, das beste Ergebnis gibt es mit jeweils 10,2 Prozent in den Universitätsstädten Mainz und Trier.

Der Stimmenanteil der GRÜNEN liegt in Verwaltungseinheiten mit höherem Akademikeranteil um 1,4 Prozentpunkte über ihrem durchschnittlichen Ergebnis (4,8 Prozent). Im Vergleich zur vergangenen Landtagswahl verringerte sich der Stimmenanteil der GRÜNEN in Verwaltungseinheiten mit einem höheren Anteil an Hochschulabsolventen deutlich (–11,6 Prozentpunkte).

Die sonstigen Parteien kommen zusammengenommen auf 7,9 Prozent, darunter die Partei DIE LINKE auf 2,8 Prozent (–0,2 Prozentpunkte) und DIE FREIEN WÄHLER auf 2,3 Prozent (unverändert gegenüber 2011). Alle anderen Parteien blieben unter ein Prozent.