KORRIGIERTE FASSUNG: Wahlverhalten im Wandel – Jüngere wählen sehr viel heterogener als Ältere

Das Abstimmungsverhalten jüngerer Wählerinnen und Wähler unterscheidet sich bei der Landtagswahl 2021 deutlich von dem Wahlverhalten Älterer. Dies zeigen Auswertungen der Repräsentativen Wahlstatistik, die das Statistische Landesamt in Bad Ems veröffentlicht hat. Während sich die Landesstimmen der Wählerinnen und Wähler im Alter von 60 und mehr Jahren hauptsächlich auf die SPD und die CDU konzentrieren, tendiert das Wahlergebnis jüngerer Wählerinnen und Wähler stärker zu einer gleichmäßigeren Stimmenverteilung über die einzelnen Parteien.

Nach den Ergebnissen der Repräsentativen Wahlstatistik erzielte die SPD bei den 60-Jährigen und Älteren 40,6 Prozent der gültigen Landesstimmen und die CDU 36,6 Prozent. Erst mit weitem Abstand folgt an dritter Stelle die AfD, die bei den älteren Wählerinnen und Wählern auf ein Landesstimmenergebnis von 6,8 Prozent kommen. Alle anderen Parteien erzielten in dieser Altersgruppe einen noch geringeren Landesstimmenanteil. Auch bei den jüngeren Wählerinnen und Wählern unter 25 Jahren war die SPD bei der Landtagswahl die stärkste Partei; in dieser Altersgruppe kommt sie allerdings nur auf 24,3 Prozent der Landesstimmen. An zweiter Stelle folgen bei den jüngeren Wählerinnen und Wählern, unter denen viele zum ersten Mal ihre Stimme abgaben, die GRÜNEN (19,1 Prozent). Die CDU wurde von 15 Prozent der Wählerinnen und Wähler im Alter von 18 bis 24 Jahren gewählt und belegt damit Rang drei unter den Wahlvorschlagsträgern.

Im Zeitverlauf nahm die Konzentration der Wählerinnen und Wähler auf die SPD und die CDU in allen Altersgruppen ab. So vereinigten SPD und CDU bei der Landtagswahl 1971 – also vor 50 Jahren – bei den 60-Jährigen und Älteren noch 90,4 Prozent der Stimmen auf sich. Bei den 18- bis 24-Jährigen waren es sogar 91,4 Prozent. Im Jahr 2021 kamen SPD und CDU bei den 60-Jährigen und Älteren dagegen nur noch auf 77,2 und bei den unter 25-Jährigen nur noch auf 39,3 Prozent. Ein Blick auf die beiden Geschlechter zeigt, dass sich auf lange Sicht auch die Parteipräferenzen von Frauen und Männern deutlich gewandelt haben.

Diese und weitere Ergebnisse gehen aus dem zweiten Teil der Statistischen Analyse hervor, die das Statistische Landesamt zur Landtagswahl 2021 veröffentlicht hat. Der zweite Teil enthält die Ergebnisse der Repräsentativen Wahlstatistik. Damit lässt sich unter anderem beantworten, wie stark sich Frauen und Männer verschiedener Altersgruppen an der Landtagswahl 2021 beteiligten, welche Parteien sie wählten und wie häufig sie Wahlkreis- und Landesstimme verschiedenen Parteien gegeben haben. Ein wesentlicher Vorzug der Repräsentativen Wahlstatistik ist, dass die tatsächliche Stimmabgabe der Wählerinnen und Wähler in den Stimmbezirken erfasst wird. Zu diesem Zweck werden – auf gesetzlicher Grundlage und unter strikter Einhaltung des Wahlgeheimnisses – in zufällig ausgewählten Stimmbezirken Wahlzettel ausgegeben, die mit einer Kennzeichnung für Geschlecht und Altersgruppen versehen sind. Zudem wird auf Basis der Wählerverzeichnisse die Wahlbeteiligung nach Geschlecht und Altersgruppen ermittelt.

kORRIGIEERTE FASSUNG VOM 30: JULI 2021, 13.30 UHR (Korrektur im 2. Absatz, siehe Hervorhebung).

Repräsentative Wahlstatistik der Landtagswahl 2021 als PDF

Sonstige Informationen über Analysen rund um Wahlen

Die Stichprobe für die Untersuchung der Wahlbeteiligung und der Stimmabgabe der Wählerinnen und Wähler nach Geschlecht und Alter umfasste bei der Landtagswahl 2021 in Rheinland-Pfalz insgesamt 114 der 4.708 Stimmbezirke. In den Stimmbezirken der Stichprobe gaben rund 66.200 Wählerinnen und Wähler ihre Stimme ab. Damit umfasste die Stichprobe insgesamt 3,4 Prozent der Wählerinnen und Wähler. In die Untersuchung der Wahlbeteiligung nach Geschlecht und Altersgruppen gingen 105.700 Wahlberechtigte ein.
Das Wahlgeheimnis wird durch die Kennzeichnung der Stimmzettel und die Auswertung der Wählerverzeichnisse nicht verletzt. Für die repräsentative Stichprobe dürfen nur Stimmbezirke mit mehr als 400 Wahlberechtigten ausgewählt werden. Außerdem sind die einzelnen Geburtsjahrgänge zu Altersgruppen zusammengefasst. Für die Untersuchung der Wahlbeteiligung sind die einzelnen Geburtsjahrgänge zu zehn Altersgruppen und für die Untersuchung des Wählerverhaltens zu fünf Altersgruppen zusammengefasst. Ein Rückschluss auf die Wahlbeteiligung eines einzelnen Wahlberechtigten bzw. auf die Stimmabgabe einer einzelnen Wählerin oder eines einzelnen Wählers ist deshalb ausgeschlossen.

Autor: Sebastian Fückel (Referatsleiter Analysen Staat, Soziales)