Zensus 2011 zeigt strukturelle demografische Entwicklungen und Korrekturen an den bislang vorliegenden Bevölkerungszahlen auf

Die rheinland-pfälzische Bevölkerung ist in dem knappen Vierteljahrhundert zwischen der Volkszählung 1987 und dem Zensus 2011 deutlich gewachsen und älter geworden. Gleichzeitig ist das Geschlechterverhältnis ausgewogener, und es leben mehr Ausländerinnen und Ausländer in Rheinland-Pfalz. »Die Zahlen unterstreichen zugleich, dass sich der demografische Wandel bislang regional sehr unterschiedlich vollzogen hat«, erklärte der Präsident des Statistischen Landesamtes Jörg Berres aus Anlass der Veröffentlichung der endgültigen demografischen Merkmale aus dem Zensus 2011.

Vergleich der Zählungsergebnisse von 2011 und 1987

Die rheinland-pfälzische Bevölkerungszahl nahm in dem o. a. Zeitraum deutlich um rund 360.000 (plus 9,9 Prozent) auf 3.989.808 zu. Regional fallen die Bevölkerungsveränderungen unterschiedlich aus. Während Städte und Landkreise entlang der Rheinschiene teilweise im zweistelligen Prozentbereich wuchsen, reduzierten sich die Einwohnerzahlen im Südwesten des Landes.

Zudem ist die Bevölkerung im Land deutlich gealtert. Die Zahl der Menschen im Seniorenalter (65 Jahre und älter) ist um 247.955 auf 812.108 angestiegen (plus 44 Prozent). Die Zunahme fiel in den Landkreisen (plus 50 Prozent) deutlich stärker aus als in den kreisfreien Städten (plus 29 Prozent). Die Zahl der unter 20-Jährigen sank im Vergleichszeitraum landesweit um 36.404 auf 756.998 (minus 4,6 Prozent). In kreisfreien Städten lebten 11.750 junge Menschen weniger als 1987 (minus 6,2 Prozent). In den Landkreisen sank die Zahl der unter 20-Jährigen um 24.654 (minus 4,1 Prozent).

Es leben sowohl absolut (plus 202.758) als auch relativ (plus 11,6 Prozent) gesehen mehr Männer im Land als 1987, sodass sich das Geschlechterverhältnis in der Bevölkerung angeglichen hat. Am 9. Mai 2011 kamen rechnerisch 95,6 Männer auf 100 Frauen und damit fast drei mehr als noch 1987.

Auch die Zahl der hier lebenden Ausländerinnen und Ausländer hat deutlich um 119.586 auf 272.006 zugenommen (plus 78,5 Prozent). Infolgedessen ist der Ausländeranteil im Vergleichszeitraum um 2,6 Punkte auf 6,8 Prozent gestiegen. In den kreisfreien Städten hat sich der Ausländeranteil seit 1987 um 4,1 Punkte auf 11,4 Prozent, in den Landkreisen um 2,2 Punkte auf einen Wert von 5,3 Prozent erhöht.

Vergleich der Fortschreibungsergebnisse zum 31. Dezember 2012

Die endgültigen demografischen Daten ermöglichen auch einen Vergleich zwischen der bisherigen Fortschreibung der Bevölkerungszahlen auf Basis der Volkszählung 1987 und der Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011, jeweils zum Stichtag 31. Dezember 2012.

Auf der Landesebene hat der Zensus das reale Bevölkerungswachstum seit 1987 in der bisherigen Fortschreibung fast punktgenau bestätigt. Diese weist zum Jahresende 2012 einen um lediglich 8.424 Personen höheren Bevölkerungsbestand aus, als die Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011. Das entspricht einer Abweichung von 0,2 Prozent.

Es leben weniger Seniorinnen und Senioren im Land als bisher ermittelt. Auf der Basis des Zensus 2011 ergibt sich zum Jahresende 2012 eine Gesamtzahl von 817.026 Menschen, die bereits das 65. Lebensjahr vollendet haben. Dies sind 8.608 bzw. ein Prozent weniger, als auf der Grundlage der Zählung von 1987 errechnet wurden. Ein Grund hierfür liegt im Fortzug von Ausländern, die nach dem Arbeitsleben Deutschland ohne Abmeldung verlassen haben.

Fortzüge ohne Abmeldung sind auch eine Ursache dafür, dass der Anteil ausländischer Einwohnerinnen und Einwohner bei Weitem nicht so stark zugenommen hat wie bislang errechnet. Der Ausländeranteil zum 31. Dezember 2012 liegt nach aktualisierter Fortschreibung mit 7,3 Prozent um 0,9 Prozentpunkte unter dem Wert, der sich bei Fortschreibung der Ergebnisse aus der Zählung von 1987 ergibt.

Insofern hat der Zensus 2011 - gleich einer Inventur - notwendige Korrekturen an der bisherigen Bevölkerungsfortschreibung aufgezeigt, die bis zu der voraussichtlich im Jahr 2021 anstehenden nächsten Zählung sowohl in der aktualisierten Fortschreibung als auch in hierauf aufbauenden Rechensystemen grundlegend sind.

Sobald die auf der Basis des Zensus 2011 aktualisierten Fortschreibungsergebnisse zum Stichtag 31. Dezember 2013 vorliegen - das ist voraussichtlich im dritten Quartal 2014 der Fall - wird das Statistische Landesamt eine neue regionalisierte Bevölkerungsvorausberechnung erstellen. Sie wird eine qualifizierte Abschätzung des fortschreitenden demografischen Wandels ermöglichen und darüber hinaus auch die Grundlage für Folgeberechnungen (z. B. Vorausberechnung der Schülerinnen und Schüler, Pflegebedarfsvorausberechnung) bieten. Die neue Bevölkerungsvorausberechnung mit dem Basisjahr 2013 wird die durch den Zensus festgestellten Veränderungen des Bevölkerungsbestands und der Altersstruktur der Bevölkerung nachvollziehen. Gravierende Veränderungen bezüglich der zukünftigen Entwicklung der Bevölkerungszahl - etwa stärkere Bevölkerungsrückgänge als bisher vorausberechnet - werden aber nicht erwartet. Dafür gibt es zurzeit keine Anhaltspunkte: Der Zensus ändert nichts an den laufend erhobenen Bevölkerungsbewegungen Geburten, Sterbefälle, Zu- und Fortzüge, die für die Bevölkerungsfortschreibung genutzt werden und Grundlage für die Berechnung der Parameter der Bevölkerungsvorausberechnung (Geburtenziffern, Sterbeziffern, Zuzugs- und Fortzugsziffern) sind.

Weitere Informationen

Im Internet-Angebot des Statistischen Landesamtes finden sich unter der Rubrik www.statistik.rlp.de/staat-und-gesellschaft/zensus-2011 Basistabellen und Karten, in denen die zum 9. Mai 2011 festgestellten demografischen Strukturen regional tief gegliedert dargestellt werden.

Weiterhin wurden in dieser Rubrik zwei Textbeiträge eingestellt, in denen die seit 1987 vollzogenen Niveau- und Strukturverschiebungen im demografischen Bevölkerungsaufbau sowie die Korrektureffekte des Zensus 2011 im Hinblick auf die laufenden Bevölkerungsfortschreibungen auf der Landes- und Kreisebene ausführlich kommentiert sind.

Aktualisierte Ergebnisse der Bevölkerungsfortschreibung auf Basis des Zensus 2011 können zudem unter der Internet-Rubrik »Meine Heimat« auf Landes-, Kreis- und Gemeindeebene abgerufen werden. In diesem Regionaldatenangebot sind für sämtliche Verwaltungsgliederungen auch die sich zur Fortschreibung von 1987 ergebenden Korrekturen ausgewiesen.

Links zu weiterführenden Informationen:

- Basisdaten Land (Tabellen)
- Basisdaten regional (Tabellen)
- Karten (Verbandsgemeindeebene)
- Meine Heimat (u. a. Fortschreibungsergebnisse für alle Gemeinden)
- Bevölkerungsfortschreibung und Zensus 2011 (Text mit Grafiken und Tabellen, PDF-Datei)
- Die Entwicklung der Bevölkerung von der Volkszählung 1987 bis zum Zensus 2011 (Text mit Grafiken und Tabellen PDF-Datei)

Strukturdaten zu Haushalten, Familien, Gebäuden und Wohnungen

Kleinräumige Strukturdaten zu Haushalten und Familien sowie zum Gebäude- und Wohnungsbestand sollen bis Mitte des Jahres die Veröffentlichungen zu den Ergebnissen des Zensus 2011 vervollständigen.

Die Gesamtbevölkerungszahlen des Landes, der kreisfreien Städte und der Gemeinden stimmen mit denjenigen überein, die bereits im Mai 2013 bei der Vorstellung vorläufiger Ergebnisse aus dem Zensus 2011 bekannt gegeben wurden. Sie sind im Zuge der abschließenden Aufbereitung der Zensusdaten nicht verändert worden.
Leichte Korrekturen haben sich - wie seinerzeit angekündigt - bei der abschließenden Plausibilisierung der Daten im Rahmen der Haushaltegenerierung noch im Hinblick auf die demografischen Strukturen ergeben.

Autor: Gerd Reh (Referat Bevölkerung, Gebiet, Zensus)

Karte im PDF-Format

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