Corona beeinflusst Außenhandel 2020 negativ – Handel mit China boomt

Die Entwicklungen im rheinland-pfälzischen Außenhandel standen 2020 unter dem Einfluss der Corona-Pandemie. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes in Bad Ems unterschritten 2020 die Exporte erstmals wieder seit 2014 die 50-Milliarden-Marke und beliefen sich auf 48,7 Milliarden Euro. Das Minus gegenüber 2019 betrug 8,7 Prozent (Deutschland: minus 9,3 Prozent). Die Einfuhren sanken um 10,2 Prozent auf 35,2 Milliarden Euro (Deutschland: minus 7,1 Prozent).

Damit war der Außenhandel das zweite Jahr in Folge rückläufig. Bereits 2019 waren die Ein-und Ausfuhren gesunken, nachdem sie 2018 einen neuen Höchstwert erreicht hatten.

Ausfuhren 2020

Die Exporte waren in 2020 gemessen an den Ausfuhrwerten in alle wichtigen Zielregionen rückläufig. Hauptabsatzgebiete bildeten mit einem Wert von 26,2 Milliarden Euro die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union. Die Abnahme gegenüber dem Vorjahreswert betrug hier, wie auch bei den Ländern der Eurozone, knapp zehn Prozent (minus 9,8 und minus 9,5 Prozent). Mit Rückgängen von 13 bzw. elf Prozent gingen die Warenausfuhren in das übrige Europa sowie in die Länder der Nicht-Eurozone etwas stärker zurück.

Entgegen den negativen Entwicklungen florierten in 2020 die Ausfuhren nach China mit einem Plus von 14 Prozent. Entsprechend fielen die Rückgänge der Exporte auf den asiatischen Kontinent moderat aus (minus 1,6 Prozent; Exportvolumen 2020: 7,7 Milliarden Euro). Nach Amerika wurden Waren im Werte von sieben Milliarden Euro exportiert. Das waren 6,2 Prozent weniger als 2019.

Alle für den Export besonders bedeutenden Güterabteilungen entwickelten sich in 2020 negativ. Mit einem Minus von 20 bzw. 18 Prozent waren vor allem die Hersteller von Kraftwagen und Kraftwagenteilen sowie die Metallerzeuger von den Rückgängen betroffen. Deutliche Verluste gab es auch im Maschinenbau (minus 12 Prozent). Dagegen konnte die Pharmaindustrie fast an das Exportvolumen des Vorjahres anschließen; das Minus lag hier bei 0,7 Prozent.

Einfuhren 2020

Die Einfuhren aus den Mitgliedstaaten der EU sind 2020 deutlich um 13 Prozent auf 21,6 Milliarden Euro gesunken. Maßgeblich wurde diese Entwicklung durch die rückläufigen Einfuhren aus den Ländern der Eurozone geprägt: Der Importrückgang betrug 15 Prozent. Der Wert der Wareneinfuhren aus dem übrigen Europa und aus den Ländern, die nicht der Eurozone angehören, sank um 10,2 bzw. 6,4 Prozent. Eine positive Jahresbilanz zeigte sich mit Asien: Deutliche Einfuhrzuwächse aus China (plus 7,1 Prozent) führten zu einem Plus von einem Prozent. Die Importe vom amerikanischen Kontinent nahmen wie die aus den USA um 10,8 Prozent ab.

Außenhandel im Dezember 2020

Die positive Entwicklung, die sich bereits im November zeigte, verstärkte sich zum Jahresende. Die Zunahmen der Ex- und Importe lagen im Dezember 2020 bei 7,3 bzw. zehn Prozent. Eine überdurchschnittliche Dynamik zeigte sich bei der Exportentwicklung mit den EU-Partnern sowie der Eurozone (plus elf und zwölf Prozent). Dagegen flossen 1,4 Prozent weniger Ausfuhren in die Nicht-EU-Länder.

Positiv lief das Auslandsgeschäft für die chemische Industrie; die Exporte nahmen um 27 Prozent zu. Dagegen mussten die Metallhersteller sowie die Pharmaindustrie Einbußen hinnehmen (minus 7,5 und minus 6,7 Prozent).

Die Einfuhren aus den Ländern der EU nahmen im Dezember 2020 um 6,4 Prozent zu. Schwächer entwickelten sich die eingeführten Waren aus den Ländern der Eurozone (plus 4,8 Prozent). Deutliche Zuwachsraten gab es bei den Importen aus den Nicht-EU-Länder (plus 35 Prozent). Die Schweiz verbuchte in dieser Ländergruppe enorme Einfuhrsteigerungen (plus 61 Prozent). Auch die Einfuhren aus dem asiatischen Kontinent nahmen mit 30 Prozent kräftig zu. Hier hat sich das Handelsvolumen mit Südkorea fast verfünffacht; die Zunahmen der chinesischen Einfuhren lagen bei 16 Prozent.

Die Daten stammen aus der monatlichen Außenhandelsstatistik, die zentral vom Statistischen Bundesamt erhoben und aufbereitet wird. Dabei wird unterschieden zwischen Intrahandelsstatistik (Warenverkehr zwischen EU-Staaten) und Extrahandelsstatistik (Warenverkehr mit Drittländern, d. h. Nicht-EU-Staaten). Grundsätzlich sind alle in Deutschland umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen, die innergemeinschaftliche Warenverkehre durchführen, im Rahmen der Intrahandelsstatistik auskunftspflichtig. Von der Auskunftspflicht befreit sind Unternehmen, deren innergemeinschaftliche Warenverkehre den Wert von 500 000 Euro bei der Versendung und 800 000 Euro bei den Eingängen im Vorjahr bzw. im laufenden Jahr nicht übersteigen. Im Extrahandel werden die bei den Zollstellen anfallenden Zollmeldungen ausgewertet.
Aus Gründen der Vergleichbarkeit wird die EU in der Abgrenzung der EU-27, also ohne das Vereinigte Königreich, betrachtet.   

Autor: Petra Wohnus (Referat Unternehmensstatistiken)

Aus- und Einfuhr nach Ziel- und Herkunftsregionen im Dezember 2019 und Dezember 2020¹
Merkmal20192020Veränderung
in %
Mill. EURAnteil in %Mill. EURAnteil in %
EU-Länder1.87052,52.07454,310,9
Eurozone1.42640,11.59141,611,6
Nicht Eurozone44512,548312,78,7
Übriges Europa42712,042111,0-1,4
Amerika55215,560615,99,8
Asien56515,956614,80,1
Afrika1093,1972,5-10,7
Australien / Ozeanien361,0551,452,2
Ausfuhr insgesamt3.560100,03.820100,07,3
EU-Länder1.64461,91.74959,96,4
Eurozone1.31449,41.37747,14,8
Nicht Eurozone33112,437212,712,5
Übriges Europa2539,534011,634,5
Asien41915,854318,629,5
Amerika26510,02197,5-17,3
Afrika652,5551,9-15,9
Australien / Ozeanien60,280,337,3
Einfuhr insgesamt2.657100,02.922100,010,0
1 vorläufig.
Aus- und Einfuhr nach Ziel- und Herkunftsregionen von Januar bis Dezember 2019 und 2020¹
Merkmal20192020Veränderung
in %
Mill. EURAnteil in %Mill. EURAnteil in %
EU-Länder28.98954,326.15953,7-9,8
Eurozone22.04141,319.95041,0-9,5
Nicht Eurozone6.94913,06.20812,7-10,7
Übriges Europa7.04013,26.14212,6-12,8
Asien7.81714,77.69115,8-1,6
Amerika7.48214,07.01714,4-6,2
Afrika1.5072,81.1672,4-22,5
Australien / Ozeanien5030,95191,13,2
Ausfuhr insgesamt53.345100,048.696100,0-8,7
EU-Länder24.85763,321.61661,3-13,0
Eurozone19.78050,416.86647,9-14,7
Nicht Eurozone5.07712,94.75013,5-6,4
Übriges Europa4.20010,73.77410,7-10,2
Asien6.08615,56.14717,41,0
Amerika3.3428,52.9808,5-10,8
Afrika6681,75871,7-12,2
Australien / Ozeanien770,2860,211,9
Einfuhr insgesamt39.269100,035.246100,0-10,2
1 vorläufig.