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Startseite > Rheinland-Pfalz belegt bei frühkindlicher Förderung Spitzenplatz
"Internationale Bildungsindikatoren im Ländervergleich" erschienen
Bildung

Rheinland-Pfalz belegt bei frühkindlicher Förderung Spitzenplatz
"Internationale Bildungsindikatoren im Ländervergleich" erschienen

156 / 08.09.2010

In Rheinland-Pfalz nutzen überdurchschnittlich viele Kinder die Angebote der vorschulischen Bildung. Dies ist eines der Ergebnisse der heute zum fünften Mal erscheinenden "Internationalen Bildungsindikatoren im Ländervergleich". Der von den statistischen Ämtern des Bundes und der Länder herausgegebene Datenband ergänzt die am Dienstag publizierte OECD-Veröffentlichung "Bildung auf einen Blick", in der für die Mitgliedsstaaten internationale Vergleichszahlen präsentiert werden.

Rheinland-Pfalz engagiert sich seit Jahren stark im Bereich der frühkindlichen Förderung. Dies spiegelt sich in der Bildungsbeteiligungsquote der unter 5-Jährigen wieder, die mit 113,3 Prozent deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 101,5 Prozent liegt. Lediglich Thüringen weist mit 119,5 Prozent einen noch höheren Wert auf. Die Bildungsbeteiligungsquote der unter 5-Jährigen wird von der OECD definiert als Anteil der unter 5-Jährigen in Betreuungseinrichtungen gemessen an der 3- bis unter 5-jährigen Gesamtbevölkerung. Da auch unter 3-jährige Kinder den Kindergarten besuchen, kann diese Berechnung Anteilswerte von über 100 Prozent ergeben.

Der Ausbau der Kinderbetreuungsangebote und die Ausweitung der Beitragsfreiheit werden in Rheinland-Pfalz seit dem Jahr 2006 schrittweise umgesetzt. Seit dem 1. August dieses Jahres haben alle Kinder ab dem vollendeten zweiten Lebensjahr einen Rechtsanspruch auf einen beitragsfreien Kindergartenbesuch.

Die in diesem Jahr als Tabellensammlung erscheinenden "Internationalen Bildungsindikatoren im Ländervergleich" beleuchten das gesamte Bildungsspektrum von der frühkindlichen Bildung bis zum "lebenslangen Lernen". Sie liefern damit wichtige Vergleichszahlen zum Bildungsbereich in den einzelnen Bundesländern. Sofern keine andere Jahreszahl angegeben ist, beziehen sich die Daten auf das Jahr 2008. Einige ausgewählte Daten aus der rund 100 Seiten umfassenden Veröffentlichung:

Schülerinnen und Schüler pro Lehrkraft

  • Das Betreuungsverhältnis im Primarbereich (Klassenstufen 1 bis 4) ist in Rheinland-Pfalz mit 17,4 Schülerinnen und Schülern je Lehrkraft günstiger als im Bundesdurchschnitt (18). Im Sekundarbereich I (Klassenstufen 5 bis 10) werden im Land 16,4 Schülerinnen und Schüler je Lehrkraft betreut (Deutschland: 15).

  • Mit durchschnittlichen Klassengrößen von 21,5 Schülerinnen und Schülern im Primarbereich und 24,6 im Sekundarbereich I liegt Rheinland-Pfalz unter dem Bundesschnitt von 21,9 bzw. 24,7 Schülerinnen und Schülern pro Klasse (OECD: 21,6 bzw. 23,9).

Altersstruktur der Lehrerinnen und Lehrer

  • Die rheinland-pfälzischen Lehrkräfte im Primar- und Sekundarbereich I haben eine relativ günstige Altersstruktur. Im Primarbereich sind 36,8 Prozent der Lehrkräfte jünger als 40 Jahre, im Sekundarbereich I entfallen 34,8 Prozent auf diese Altersgruppe. Im Bundesdurchschnitt sind es dagegen nur 28,4 bzw. 24,3 Prozent (OECD: 42 bzw. 38,6 Prozent). Generell gibt es in Deutschland im Vergleich mit anderen OECD-Ländern einen relativ hohen Anteil an älteren Lehrerinnen und Lehrern. Dieser geht auf die hohe Zahl der Lehrereinstellungen in den 1970er-Jahren zurück.

  • Wie deutschlandweit und auch in den meisten OECD-Ländern sind an den rheinland-pfälzischen Bildungseinrichtungen überwiegend Frauen tätig. Die Frauenanteile liegen bei 98,3 Prozent im Elementarbereich (vorschulische Ausbildung), 82,5 Prozent im Primarbereich (Grundschulen) und 59,2 Prozent im Sekundarbereich I (Klassenstufen 5 bis 10). Lediglich im Sekundarbereich II (Jahrgangsstufen 11 bis 13 und berufsbildende Schulen) sind Lehrerinnen mit 43,8 Prozent in der Minderheit.

Studienanfängerquote

  • In Rheinland-Pfalz nehmen überdurchschnittlich viele junge Menschen ein Hochschulstudium auf. Die Studienanfängerquote, also der Anteil der Studienanfängerinnen und -anfänger an der altersspezifischen Bevölkerung, betrug im Jahr 2008 insgesamt 38,7 Prozent (plus 1,3 Prozentpunkte gegenüber Vorjahr). Damit nimmt Rheinland-Pfalz zusammen mit Hessen (40,8 Prozent) und Sachsen (38,3 Prozent) einen der Spitzenplätze unter den Flächenländern ein. Im Bundesdurchschnitt lag die Studienanfängerquote bei 36,2 Prozent. Ein Vergleich dieser Zahlen mit dem OECD-Durchschnitt von 55,9 Prozent ist nur bedingt möglich, da viele Ausbildungsgänge, die in anderen Staaten als akademische Ausbildung angelegt sind, hierzulande außerhalb des Hochschulbereichs angeboten werden, beispielsweise im dualen Ausbildungssystem oder an Fachschulen.

  • Um 1,8 Prozentpunkte gestiegen ist im Vergleich zum Jahr 2007 die Hochschulabsolventenquote, also die Zahl der Erstabschlüsse gemessen an der altersspezifischen Bevölkerung. Mit einem Wert von 24,6 Prozent belegt Rheinland-Pfalz eine mittlere Position unter den Flächenländern. In dieser Ländergruppe reichen die Absolventenquoten von 18,1 Prozent in Schleswig-Holstein bis zu 27,6 Prozent in Hessen und lagen im Durchschnitt bei 24,8 Prozent (OECD: 38 Prozent).

Schwerpunkte der Hochschulausbildung

  • Die Mehrheit der Hochschulabsolventinnen und -absolventen in Rheinland-Pfalz schloss ein Studium der Fächergruppe Sozial-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften sowie Dienstleistungen ab (36,6 Prozent). Den zweitgrößten Anteil stellen mit 34 Prozent Absolventinnen und Absolventen der Geistes-, Kunst- und Erziehungswissenschaften. Der Anteil von Absolventinnen und Absolventen in mathematisch-naturwissenschaftlich-technischen Studiengängen liegt mit 23,1 Prozent um 7,2 Prozentpunkte unter dem Bundesdurchschnitt von 30,3 Prozent und ist damit der niedrigste in Deutschland (OECD: 23,8 Prozent).

Studierende pro Lehrkraft

  • In Rheinland-Pfalz werden je Wissenschaftlerin bzw. Wissenschaftler im Durchschnitt 16,5 Studierende betreut. Im Bundesdurchschnitt sind es 11,5, wobei das Saarland mit 8,8 den niedrigsten Wert aufweist (OECD: 16,2). Diese Werte sind auch eine Folge der spezifischen Ausbildungsschwerpunkte des Landes. So kommen in den in Rheinland-Pfalz überdurchschnittlich vertretenen Fachbereichen der Sozial-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften traditionell mehr Studierende auf eine Lehrkraft als in den betreuungsintensiven naturwissenschaftlich-technischen Fächern.

Teilnahme am "lebenslangen Lernen"

  • Lediglich 7,5 Prozent der 25 bis unter 65-jährigen Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzer nahmen in den letzten vier Wochen vor der Befragung an Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen teil. Auch im Bundesdurchschnitt fällt die Teilnahme an diesen Veranstaltungen mit 7,9 Prozent relativ gering aus (EU-27: 9,2 Prozent). Den EU-Wert von 12,5 Prozent für die Teilnahme am "Lebenslangen Lernen" erreicht keines der Bundesländer.

Bildungsunterschiede von Männern und Frauen werden geringer

  • Der Anteil der 25- bis unter 65-Jährigen, die mindestens über einen Abschluss im Sekundarbereich II (z. B. Berufsausbildung, Hochschulreife) verfügen, lag im Jahr 2008 wie im Vorjahr bei 83 Prozent. Deutschlandweit waren es 85 Prozent (OECD: 71 Prozent).

  • 23 Prozent der 25- bis unter 65-jährigen Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzer verfügen über einen Abschluss im Tertiärbereich (Fachhochschul- bzw. Hochschulabschluss, Meisterausbildung und Ähnliches). Der Bundesdurchschnitt liegt bei 25 Prozent (OECD: 30 Prozent).

  • Deutliche Unterschiede beim Bildungsabschluss existieren zwischen Männern und Frauen. So verfügen in Rheinland-Pfalz zwar 29 Prozent der Männer aber nur 17 Prozent der Frauen über einen Abschluss im tertiären Bereich. In den jüngeren Jahrgängen gleicht sich das geschlechtsspezifische Bildungsniveau langsam an. So ist der Anteil der Hochqualifizierten (Personen mit Abschluss im Tertiärbereich) in der Altersgruppe der 25- bis unter 35-Jährigen in Rheinland-Pfalz mittlerweile bei beiden Geschlechtern gleich groß (22 Prozent). In elf Bundesländern übersteigt der Anteil der Hochqualifizierten bei Frauen dieser Altersgruppe sogar den bei gleichaltrigen Männern.

Hoher Bildungsabschluss sichert Beschäftigungschancen

  • Der individuelle Bildungsabschluss hat einen entscheidenden Einfluss auf die Beschäftigungschancen. In Rheinland-Pfalz sind insgesamt 77 Prozent der 25 bis unter 65-jährigen Bevölkerung erwerbstätig. Für Hochqualifizierte liegt die Beschäftigungsquote dagegen bei 88 Prozent. Zusammen mit Bayern und Baden-Württemberg bietet Rheinland-Pfalz zurzeit die besten Beschäftigungschancen für Hochqualifizierte.

  • Lediglich 58 Prozent der Personen ohne Berufsausbildung sind in Rheinland-Pfalz erwerbstätig (Deutschland: 55 Prozent). Die Beschäftigungsquoten der Geringqualifizierten reichen in Deutschland von 41 Prozent in Berlin bis zu 63 Prozent in Baden-Württemberg.

Ausgaben pro Bildungsteilnehmerin und -teilnehmer

  • Die Gesamtausgaben im Primar-, Sekundar- und Tertiärbereich beliefen sich in Rheinland-Pfalz im Jahr 2007 auf 6.600 Euro je Bildungsteilnehmerin und -teilnehmer. Im Bundesdurchschnitt waren es 7.000 Euro (OECD: 7.000 Euro). Damit belegt Rheinland-Pfalz zusammen mit dem Saarland, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen einen der hinteren Plätze. Speziell im Hochschulbereich liegt das Land mit 9.900 Euro je Studentin und Student deutlich unter dem Bundesschnitt von 12.600 Euro. Auch hier spielt sicherlich die spezielle Fächerstruktur des Landes eine Rolle.

  • Überdurchschnittlich sind mit 4.800 Euro die Ausgaben im Primarbereich. Im Bundesdurchschnitt werden in diesem Bildungsabschnitt 4.700 Euro pro Schülerin und Schüler aufgewendet.

Die "Internationalen Bildungsindikatoren im Ländervergleich" können unter www.statistik.rlp.de kostenfrei als PDF-Datei (1,14 MB) heruntergeladen werden.

Autorin: Bettina Link (Referat Bildung)

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