Ergebnisse der »Internationalen Bildungsindikatoren im Ländervergleich«

Im Jahr 2016 hatten rund 26 Prozent der rheinland-pfälzischen Bürgerinnen und Bürger einen akademischen Abschluss, in Berlin waren es 39 und in Deutschland 28 Prozent. Dies ist eines der Ergebnisse der heute erscheinenden Veröffentlichung »Internationale Bildungsindikatoren im Ländervergleich«. Der von den statistischen Ämtern des Bundes und der Länder herausgegebene Kennzahlenband ergänzt die OECD-Veröffentlichung »Bildung auf einen Blick 2017« und präsentiert die internationalen Bildungsindikatoren auf Ebene der Bundesländer.

Die Differenzen des Akademisierungsgrades zwischen den Bundesländern gehen im Wesentlichen auf landesspezifische Unterschiede der Siedlungsstruktur, der Historie der Institutionalisierung von Bildungsangeboten, des regionalen Arbeitskräftebedarfs und der wirtschaftlichen Entwicklungen zurück. So zeigt sich beispielsweise auch, dass zwar Berlin und Hamburg die höchsten Akademisierungsgrade haben, jedoch den niedrigsten Anteil an Akademikerinnen und Akademikern, die ihren Abschluss in einem naturwissenschaftlich-technischen Fach erworben haben (26 bzw. 24 Prozent). Unter den 25- bis 64-jährigen rheinland-pfälzischen Akademikerinnen und Akademikern besitzen mehr als 35 Prozent einen Hochschulabschluss in einem naturwissenschaftlich-technischen Studienfach.

Unterdurchschnittliche Bildungsbeteiligung

Eine hohe Bildungsbeteiligung der Bevölkerung führt tendenziell zu einem hohen Ausbildungsstand, der für die künftige wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung eines Landes von Bedeutung ist. Während 2015 die meisten Kinder und Jugendlichen im Alter von fünf bis 14 Jahren aufgrund der Schulpflicht in Deutschland eine Bildungseinrichtung besuchten, waren von den 15- bis 19-Jährigen nur noch 88 Prozent und von den 20- bis 24-Jährigen nur noch 49 Prozent im Bildungssystem. In Rheinland-Pfalz war der Anteil der jungen Menschen, die ein Bildungsangebot wahrnahmen, noch geringer (87 Prozent der 15- bis 19-Jährigen, 46 Prozent der 20- bis 24-Jährigen). Die Bildungsbeteiligung der Altersgruppe der 15- bis 19-Jährigen zeigt insbesondere den Verbleib in der Sekundarstufe II oder den Besuch berufsbildender Angebote und die der 20- bis 24-Jährigen die Wahrnehmung von Bildungsangeboten im tertiären Bereich.

Betreuungsverhältnisse in der Primar- und Sekundarstufe I

In Rheinland-Pfalz kamen 2015 im Primarbereich und in der Sekundarstufe I jeweils 14 Schülerinnen und Schüler auf eine Lehrkraft. Dabei wird angenommen, dass Schülerinnen und Schüler von einem niedrigen Schüler-Lehrkraft-Verhältnis profitieren. Verglichen mit anderen Bundesländern war das rheinland-pfälzische Betreuungsverhältnis in der Sekundarstufe I hinter Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen das drittschlechteste, in der Primarstufe hingegen das fünftbeste. Paradox ist, dass sich das Betreuungsverhältnis in Rheinland-Pfalz zwischen dem Primarbereich und der Sekundarstufe I nicht ändert, die Platzierung im Ländervergleich jedoch höchst unterschiedlich ausfällt.

Ausbaufähige Internationalisierung der Hochschulen

Zunehmend setzen die Hochschulen die von Bund und Ländern vereinbarte Strategie zur Internationalisierung des tertiären Bildungsbereichs um. Im Jahr 2015 hatte an deutschen Hochschulen jede bzw. jeder 13. Studierende eine ausländische Staatsbürgerschaft (7,6 Prozent). In Rheinland-Pfalz lag der Anteil der ausländischen Studierenden mit 6,2 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt. In Berlin war der Anteil der Studierenden mit ausländischer Staatsangehörigkeit mit zwölf Prozent beinahe doppelt so hoch wie in Rheinland-Pfalz.  

Geringe Pro-Kopf-Bildungsausgaben

Mit 8.500 Euro jährlichen Ausgaben für Bildungseinrichtungen pro Schülerin, Schüler bzw. Studierenden lag Rheinland-Pfalz 2014 im Ländervergleich auf dem drittletzten Platz. Berlin, Thüringen, Hamburg und Bayern gaben jeweils mehr als 10.000 Euro aus. Dabei sind strukturelle Unterschiede zu berücksichtigen, beispielsweise die unterschiedliche Zahl der medizinischen Fakultäten in den Ländern, die hohe Ausgaben erfordern und damit Einfluss auf die Pro-Kopf-Ausgaben im Bildungssektor haben. Insgesamt gab Rheinland-Pfalz 4,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Bildungseinrichtungen im Primar-, Sekundar- und Tertiärbereich aus.

Weitere nationale Vergleiche zentraler Aspekte des Bildungswesens finden Sie in der von den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder herausgegebenen Publikation »Internationalen Bildungsindikatoren im Ländervergleich«. Die vollständige Veröffentlichung kann kostenfrei als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Autor: Dr. Marco Schröder (Referat Schule, Hochschule, Berufsbildung)