Inklusion: Immer mehr Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf an Regelschulen

Die Unterstützung und Inklusion von Kindern und Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf ist eine wesentliche Aufgabe der Bildungspolitik und des Schulsystems. Anlässlich des am 5. Mai stattfindenden Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung stellt das Statistische Landesamt Rheinland-Pfalz ausgewählte Daten zur inklusiven Schulbildung vor.

In Rheinland-Pfalz benötigten im Schuljahr 2017/18 rund 20.000 Schülerinnen und Schüler sonderpädagogische Unterstützung und Förderung. Das waren rund neun Prozent mehr als zehn Jahre zuvor. Dieser Zuwachs ist im Wesentlichen auf die deutlich gestiegene Zahl der Kinder und Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf an Regelschulen zurückzuführen (plus 156 Prozent). Dies erklärt sich dadurch, dass in Rheinland-Pfalz im Rahmen der inklusiven Bildung Eltern von förderbedürftigen Kindern und Jugendlichen entscheiden dürfen, ob ihre Kinder eine Förderschule oder eine sogenannte Schwerpunktschule besuchen. Schwerpunktschulen sind allgemeinbildende Regelschulen, an denen inklusiver Unterricht mit Unterstützung von Förderschullehrkräften und pädagogischen Fachkräften angeboten wird. An diesem Unterricht nehmen sowohl Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf als auch nicht förderbedürftige Kinder bzw. Jugendliche teil. Damit wird das Ziel verfolgt, förderbedürftige Schülerinnen und Schüler in der persönlichen, sozialen, motorischen und emotionalen Entwicklung zu unterstützen, sie sozial zu integrieren und ihnen ein selbstbestimmtes Leben sowie eine aktive Teilhabe in allen gesellschaftlichen Bereichen zu ermöglichen.

Der Anteil der förderbedürftigen Kinder und Jugendlichen, die eine Regelschule besuchen, an allen Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf stieg in den letzten zehn Jahren von zwölf auf 28 Prozent. Im Schuljahr 2017/18 wurden Kinder und Jugendliche mit dem Förderschwerpunkt „Lernen“ besonders häufig an Regelschulen unterrichtet. Knapp 40 Prozent der jungen Menschen, die im Lernverhalten sonderpädagogische Unterstützung benötigen, besuchten eine Regelschule. Als ausbaufähig zeigte sich jedoch die Integration und Inklusion von Schülerinnen und Schülern mit dem Förderschwerpunkt „Motorische Entwicklung“: Nur sieben Prozent waren auf einer Regelschule, 93 Prozent besuchten eine Förderschule.

Die Daten stammen aus der amtlichen Schulstatistik, die zum Schuljahresbeginn 2017/18 erhoben wurde. Die rheinland-pfälzische Schulbehörde entscheidet anhand eines sonderpädagogischen Gutachtens des Gesundheitsamts, ob für Schülerinnen und Schüler ein Förderbedarf besteht.

Autor: Dr. Marco Schröder (Referat Schulen, Hochschulen und Berufsbildung)