Ausgaben der Sozialhilfe stiegen 2017 um 2,6 Prozent Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung nicht enthalten

Im Jahr 2017 wurden in Rheinland-Pfalz netto knapp 1,2 Milliarden Euro für Sozialhilfe (3. und 5. bis 9. Kapitel SGB XII) ausgegeben. Nach Mitteilung des Statistischen Landesamtes stiegen die Nettoausgaben für diese Sozialhilfeleistungen im Vergleich zum Vorjahr um 2,6 Prozent. Die verausgabten Leistungen der Sozialhilfe beseitigen bzw. mildern die Folgen von Behinderungen, gesundheitlichen und altersbedingten Einschränkungen und decken den Bedarf an Ernährung, den hauswirtschaftlichen Bedarf sowie die persönlichen Bedürfnisse des täglichen Lebens.

Nicht mehr enthalten sind ab 2017 die Ausgaben für die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung (4. Kapitel SGB XII). Aufgrund einer fehlenden gesetzlichen Grundlage werden keine Ausgaben und Einnahmen dieser Leistungen mehr erfasst.

Die Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen stellte im vergangenen Jahr die größte Ausgabenposition dar; netto wurden rund 918 Millionen Euro für diese Hilfeart aufgewendet. Gegenüber dem Vorjahr stiegen die Aufwendungen für die Eingliederungshilfe um 5,8 Prozent. Auch für die Hilfe zum Lebensunterhalt (plus 3,5 Prozent), den Hilfen für Gesundheit (plus 2,5 Prozent) und den sonstigen Hilfen (plus 19 Prozent) waren Ausgabensteigerungen zu verzeichnen. Die Nettoausgaben für die Hilfe zur Pflege sind im Vorjahresvergleich um knapp 13 Prozent gesunken. Dieser Rückgang dürfte größtenteils in den Pflegestärkungsgesetzen begründet liegen, da aufgrund der Gesetzesänderung unter anderem vermehrt Leistungen von der Pflegeversicherung übernommen werden.

Insbesondere bei der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen und der Hilfe zur Pflege wurden die Leistungen an Personen gewährt, die in einer Einrichtung lebten (86 bzw. 82 Prozent der jeweiligen Nettoausgaben).

Regionale Unterschiede

Regional gibt es große Unterschiede bei den Aufwendungen für die beschriebene Sozialhilfe. Die rechnerisch höchsten Ausgaben je Einwohner hatte im Jahr 2017 die Stadt Pirmasens mit 506 Euro, die niedrigsten der Rhein-Pfalz-Kreis mit 198 Euro. Die kreisfreien Städte waren mit durchschnittlich 342 Euro je Einwohner stärker belastet als die Landkreise (272 Euro je Einwohner).

Die Daten der Ausgaben der Sozialhilfe erhält das Statistische Landesamt jährlich von den Sozialämtern der kommunalen Gebietskörperschaften und vom Landesamt für Jugend, Soziales und Versorgung. Aufgrund einer fehlenden gesetzlichen Grundlage werden ab dem Berichtsjahr 2017 keine Ausgaben und Einnahmen der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung nach dem 4. Kapitel SGB XII mehr erfasst. Aufwendungen für die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung sind somit – im Gegensatz zu den Vorjahren – in den hier nachgewiesenen Sozialhilfeausgaben nicht mehr enthalten.

Anspruch auf Sozialhilfe nach dem Zwölften Buch des Sozialgesetzbuchs (SGB XII) hat, wer sich in einer Notlage befindet, die nicht aus eigenen Kräften und mit eigenen Mitteln behoben werden kann. Die Sozialhilfe greift ein, wenn keine anderen Leistungsansprüche (z. B. Unterhaltsleistungen, Sozialleistungen aufgrund anderer Normen)  bestehen.

Hilfebedürftige, die erwerbsfähig sind, bekommen infolge der sog. Hartz IV-Reformen seit 2005 Leistungen der Bundesagentur für Arbeit nach dem Zweiten Buch des Sozialgesetzbuchs (SGB II). Aufwendungen hierfür sind in den hier nachgewiesenen Sozialhilfeausgaben nicht enthalten.

Die Nettoausgaben entsprechen den insgesamt ausgezahlten Beträgen abzüglich der Einnahmen (z. B. Kostenersatz, Erstattungen von Sozialleistungsträgern).

Autorin: Dr. Julia Stoffel (Referat Auswertungen, Analysen Abteilung 1)

 

Nettoausgaben der Sozialhilfe nach dem 3. und 5. bis 9. Kapitel SGB XII1 2007, 2016 und 2017 nach Hilfearten
Hilfeart 2007 2016 2017 Veränderung 2017 zu
2007 2016
1.000 EUR %
Hilfe zum Lebensunterhalt (3. Kapitel SGB XII) 25.833 51.778 53.567 107,4 3,5
Hilfen zur Gesundheit (5. Kapitel SGB XII) 33.176 27.366 28.050 -15,4 2,5
Eingliederungshilfe für behinderte Menschen (6. Kapitel SGB XII) 569.110 867.683 917.830 61,3 5,8
Hilfe zur Pflege (7. Kapitel SGB XII) 122.864 198.624 173.765 41,4 -12,5
Sonstige Hilfen (8. und 9. Kapitel SGB XII) 17.884 15.716 18.683 4,5 18,9
1 Aufgrund einer fehlenden gesetzlichen Grundlage werden ab dem Berichtsjahr 2017 keine Ausgaben und Einnahmen der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung nach dem 4. Kapitel SGB XII mehr erfasst.
Nettoausgaben der Sozialhilfe nach dem 3. und 5. bis 9. Kapitel SGB XII1 2017 nach Verwaltungsbezirken
Kreisfreie Stadt
Landkreis
insgesamt davon je Einwohner/-in2
Hilfe zum Lebensunterhalt (3. Kapitel SGB XII) Hilfen zur Gesundheit (5. Kapitel SGB XII) Eingliederungshilfe für behinderte Menschen (6. Kapitel SGB XII) Hilfe zur Pflege (7. Kapitel SGB XII) Sonstige Hilfen (8. und 9. Kapitel SGB XII)
1.000 EUR EUR
kreisfreie Städte
Frankenthal (Pfalz) 13.935 570 346 10.853 2.109 56 287
Kaiserslautern 33.292 2.096 1.871 21.707 7.029 590 335
Koblenz 38.904 1.275 2.354 26.775 8.119 381 343
Landau i. d. Pfalz 12.639 289 279 10.086 1.961 24 275
Ludwigshafen a. Rh. 54.083 2.704 2.285 41.224 7.429 442 323
Mainz 68.917 2.958 2.593 50.449 11.957 959 322
Neustadt a. d. Weinstraße 18.274 662 324 14.432 2.803 53 343
Pirmasens 20.501 937 370 16.210 2.858 126 506
Speyer 18.657 577 2.185 12.980 2.774 141 368
Trier 42.835 1.896 952 29.340 9.684 963 391
Worms 26.362 1.446 1.176 18.200 5.195 345 318
Zweibrücken 13.732 777 567 10.392 1.836 160 399
Landkreise
Ahrweiler 30.060 1.603 742 23.302 4.200 214 233
Altenkirchen (Ww.) 34.084 2.050 799 26.242 4.770 223 264
Alzey-Worms 27.903 1.602 327 22.737 2.808 429 217
Bad Dürkheim 30.999 989 194 25.919 3.763 133 233
Bad Kreuznach 57.460 1.236 2.126 44.846 9.157 94 365
Bernkastel-Wittlich 37.721 6.109 440 27.851 3.099 223 336
Birkenfeld 27.506 672 257 21.875 4.538 165 340
Cochem-Zell 17.904 482 220 14.432 2.650 118 290
Donnersbergkreis 20.943 901 146 17.292 2.561 43 278
Eifelkreis Bitburg-Prüm 27.302 1.028 398 21.656 4.092 127 278
Germersheim 27.197 952 463 22.762 2.844 176 212
Kaiserslautern 27.279 720 272 22.482 3.491 314 258
Kusel 24.007 1.117 131 19.344 3.325 90 339
Mainz-Bingen 54.667 1.951 820 45.365 6.036 495 261
Mayen-Koblenz 66.189 2.530 1.477 51.753 10.124 305 310
Neuwied 56.934 2.410 807 43.244 9.987 487 313
Rhein-Hunsrück-Kreis 26.829 1.305 244 22.128 3.060 92 260
Rhein-Lahn-Kreis 36.652 2.241 945 27.833 5.522 112 299
Rhein-Pfalz-Kreis 30.314 738 232 25.111 4.187 46 198
Südliche Weinstraße 27.848 672 269 23.666 3.130 111 251
Südwestpfalz 27.777 968 423 23.856 2.429 101 290
Trier-Saarburg 35.566 1.040 499 27.671 6.222 134 240
Vulkaneifel 20.279 620 116 17.149 2.348 47 333
Westerwaldkreis 44.210 2.191 382 35.729 5.669 240 220
Rheinland-Pfalz3 1.191.896 53.567 28.050 917.830 173.765 18.683 293
1 Aufgrund einer fehlenden gesetzlichen Grundlage werden ab dem Berichtsjahr 2017 keine Ausgaben und Einnahmen der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung nach dem 4. Kapitel SGB XII mehr erfasst.
2 Bevölkerung zum 30.06.2017 .
3 Einschließlich Ausgaben für Leistungen, die vom Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung gemeldet und nicht einzelnen kreisfreien Städten bzw. Landkreisen zugeordnet werden können.