Hochschulstatistik: Männer mit schlechteren Abschlussnoten als Frauen

Im Prüfungsjahr 2017 schlossen in Rheinland-Pfalz rund 22.400 junge Erwachsene ihr Hochschulstudium erfolgreich ab (ohne Promotionen). Wie das Statistische Landesamt in Bad Ems mitteilt, waren das rund 80 Absolventinnen und Absolventen mehr als im Vorjahr (plus 0,4 Prozent).

Einen Bachelorabschluss erreichten insgesamt 12.300 Studierende, einen Master knapp 8.000 Absolventinnen und Absolventen. Während die Zahl der erfolgreichen Masterabschlüsse gegenüber dem Vorjahr stieg, nahm die Absolventenzahl mit einem Bachelorabschluss um 1,3 Prozent ab.

Der kurzfristige Rückgang der Zahl der Bachelorabschlüsse begründet sich im Wesentlichen durch die demografische Entwicklung der altersrelevanten Bevölkerung. Der langfristige Anstieg zwischen 2007 und 2017 (plus 12.000) ist hingegen auf die durch die Bologna-Reform initialisierte Umstrukturierung der Diplom- und Magisterstudiengänge zurückzuführen, deren Absolventenzahl im gleichen Zeitraum deutlich sank (minus 9.300).

Mit dem Bachelorabschluss sollte über ein kurzes Studium ein schneller Zugang zum Arbeitsmarkt geschaffen werden. Doch der Abschluss geriet aufgrund der begrenzten Möglichkeiten, ausreichende Fachkompetenzen, Berufsreife und Erfahrungen für die Arbeitswelt zu erwerben, in jüngster Vergangenheit in die Kritik. Dadurch gewinnt das Masterstudium sowohl bei Arbeitgebern als auch bei Studierenden an Beliebtheit. Dies zeigt der Zuwachs von mehr als 500 Masterabsolventinnen und -absolventen gegenüber dem Vorjahr (plus 7,2 Prozent).

Geschlechterunterschiede bei den Abschlussnoten

Gegenüber 2007 verschlechterte sich die durchschnittliche Abschlussnote der Hochschulabsolventinnen und -absolventen um sechs Prozent. Während die jungen Erwachsenen 2007 noch einen Notenschnitt von 2,1 erreichten, lag dieser 2017 nur noch bei 2,3. Dies ist insbesondere auf die Entwicklung geschlechterspezifischer Unterschiede zurückzuführen. Im Jahr 2007 lagen Männer noch beinahe auf dem Notenniveau der Frauen; 2017 sank ihr Schnitt jedoch um zwölf Prozent, während die Absolventinnen weiterhin im Mittel die Note 2,1 hielten. Diese Entwicklung begründet sich möglicherweise in einem durch die Bologna-Reform stärker verschulten Hochschulsystem, in dem die geschlechterspezifischen Unterschiede, die bereits im allgemeinbildenden Schulsystem vorliegen, verstetigt werden.

Weniger Lehramtsabsolventinnen und -absolventen

Die meisten Abschlüsse gab es in den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (10.400), gefolgt von den Ingenieur- (4.200) und Geisteswissenschaften (3.300). Deutliche Geschlechterunterschiede lagen insbesondere bei den Ingenieurwissenschaften (75 Prozent Männer) und Geisteswissenschaften (74 Prozent Frauen) vor. Die Zahl der erfolgreich bestandenen Abschlussprüfungen in einem Lehramt lag bei rund 2.000 und damit 4,3 Prozent niedriger als im Jahr zuvor.

Die Zahlen stammen aus der Prüfungsstatistik. Diese Daten werden von den Prüfungsämtern in jedem Semester an das Statistische Landesamt gemeldet. Die Veröffentlichung der Daten erfolgt nach Prüfungsjahren. Das Prüfungsjahr 2017 beinhaltet das Wintersemester 2016/17 und das Sommersemester 2017.

Als Abschlussprüfung in einem Lehramt werden entsprechend § 10 der „Landesverordnung über die Anerkennung von Hochschulprüfungen lehramtsbezogener Bachelor- und Masterstudiengänge als Erste Staatsprüfung für Lehrämter“ (2007) nur Personen gezählt, die das erste Staatsexamen oder einen lehramtsbezogenen Masterstudiengang erfolgreich absolviert haben.

Autor: Dr. Marco Schröder (Referat Schulen, Hochschulen und Berufsbildung)