Anbaufläche von Weizen zurückgegangen – Unterdurchschnittliche Erntemenge erwartet

Nach einer ersten Schätzung wird für Rheinland-Pfalz in diesem Jahr mit 1,34 Millionen Tonnen eine unterdurchschnittliche Getreideernte erwartet. Diese resultiert aus der reduzierten Anbaufläche und dem im Vergleich zum Vorjahr um acht Prozent niedrigeren Ertragsniveau. Nach Angaben des Statistischen Landesamts in Bad Ems würde die Erntemenge damit um elf Prozent unter der Vorjahresernte und neun Prozent unter dem Durchschnitt der Jahre 2014 bis 2019 liegen.

Getreide zur Körnergewinnung wird auf insgesamt 225.400 Hektar angebaut, was einem Rückgang von 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Mit knapp 25 Prozent stellt Winterweizen die dominierende ackerbaulich genutzte Fruchtart dar, die 2020 im Anbauumfang mit 96.700 Hektar rund sieben Prozent unter dem Vorjahresniveau liegt (minus 7.500 Hektar). Ein Grund für die Anbaueinschränkung beim Winterweizen als auch beim Wintergetreide insgesamt ist die Nässe zum Aussaatzeitpunkt im Herbst vergangenen Jahres. Die zu erwartende Weizenerntemenge wird bei einem Durchschnittsertrag von knapp 67,3 Dezitonnen auf knapp 683.800 Tonnen geschätzt. Das entspricht 51 Prozent der voraussichtlichen Gesamtgetreideernte 2020. Es wird ein Ertragsniveau erwartet, das etwa fünf Prozent unter dem Durchschnittsertrag 2014 bis 2019 liegt.

Wintergerste wird auf insgesamt 41.700 Hektar (minus 400 Hektar im Vorjahresvergleich), Sommergerste auf 40.600 Hektar (plus 2.300 Hektar im Vorjahresvergleich) angebaut. Für die Wintergerste, die im vergangenen Jahr mit einem Durchschnittsertrag von 77,6 Dezitonnen je Hektar von der Witterung besonders profitierte, werden 64 Dezitonnen geschätzt, was einem Rückgang von knapp 18 Prozent entspricht. Der langjährige Durchschnitt wurde um acht Prozent verfehlt. Für Sommergerste wird mit einem Ertrag von 54,2 Dezitonnen annähernd das Ertragsniveau 2014 bis 2019 erreicht. Triticale wird auf einer Fläche von 15.600 Hektar angebaut, was im Vergleich zu 2019 einem Rückgang um 1.700 Hektar entspricht. Der Durchschnittsertrag wird auf 60,2 Dezitonnen geschätzt, das sind knapp fünf Prozent weniger als im Vorjahr.

Die Anbaufläche für Winterraps liegt mit 38.100 Hektar (plus fünf Prozent; plus 2.000 Hektar) über dem niedrigen Vorjahresniveau (Durchschnitt 2014-2019 rund 43.000 Hektar). Hauptgrund dürfte wie im Herbst 2018 die erneute Trockenheit zur Aussaat 2019 sein. Das sich abzeichnende Ertragsniveau von gut 33 Dezitonnen liegt um neun Prozent unter dem Durchschnitt der Jahre 2014 bis 2019. Die in Rheinland-Pfalz zu erwartende Winterrapsmenge beträgt somit 126.700 Tonnen; das ist ein Plus vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr und ein Minus von 20 Prozent im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2014 bis 2019.

Die Hackfruchtanbaufläche im Land ist relativ konstant geblieben. Die Zuckerrübe (ohne Saatguterzeugung) wird auf rund 17.300 Hektar angebaut und verzeichnet damit ein Minus von rund zwei Prozent oder 300 Hektar. Kartoffeln werden auf 7.600 Hektar angebaut (plus 200 Hektar).

Den skizzierten Rückgängen, vor allem beim Winterweizen, stehen neben der Flächenausdehnung beim Winterraps Flächenzunahmen von Körnermais (plus 1.200 Hektar auf nunmehr 10.800 Hektar) und Leguminosen (z.B. Klee oder Luzerne) zur Ganzpflanzenernte gegenüber (plus 1.200 Hektar auf nunmehr 10.400 Hektar). Seit 2010 ist die Leguminosenfläche um 23 Prozent gewachsen. Der Silomaisanbau für die Tierfütterung oder als Biogassubstrat bewegt sich mit 35.500 Hektar auf Vorjahresniveau.

In Rheinland-Pfalz wird auf rund 392.800 Hektar Ackerbau betrieben. Damit stellt das Ackerland mit 55 Prozent den größten Anteil der landwirtschaftlich genutzten Fläche von 708.700 Hektar dar. Dauerkulturen, zu denen z.B. Rebflächen und Obstanlagen gehören, beanspruchen zehn Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche. Bei den übrigen 35 Prozent handelt es sich im Wesentlichen um Dauergrünland.

Die Bodennutzungshaupterhebung findet jährlich als repräsentative Erhebung bei gut 6 000 landwirtschaftlichen Betrieben statt. Sie wurde in den Jahren 2010, 2016 und 2020 als Vollerhebung bei allen landwirtschaftlichen Betrieben durchgeführt. Das vorliegende Ergebnis ist noch vorläufig. Veränderungsraten des Anbauumfangs sind bei manchen hier nicht dargestellten Fruchtarten aufgrund ihrer Höhe und der stichprobenbedingten Schätzfehler nur begrenzt belastbar.
Der Ernteschätzung liegen die Angaben von rund 260 ehrenamtlichen Ernteberichterstatterinnen und Ernteberichterstattern zugrunde. Sie übermitteln dem Statistischen Landesamt zu mehreren Terminen im Jahr Schätzungen der Hektarerträge. Die Ertragsschätzungen zum Berichtstermin erfolgen unter der Annahme, dass die weiteren Witterungsbedingungen denen eines normalen Jahres entsprechen. Die Schätzung der Getreideernte enthält keinen Körnermais. Erste repräsentative Ernteergebnisse liegen Ende August vor.  
Hinweise: Die Angaben zur Getreideernte insgesamt umfassen nicht Körnermais und Corn-Cob-Mix; in den Angaben zum Getreide zur Körnergewinnung sind Körnermais in Corn-Cob-Mix enthalten.
Eine Dezitonne sind 100 Kilogramm.

Autor: Dr. Pascal Kremer (Referat Landwirtschaft, Weinbau, Umwelt, Energie)