Statistischer Landesausschuss befasste sich mit Corona-Folgen, Digitalisierung und Aktualität von Daten

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die rheinland-pfälzische Wirtschaft, das Spannungsverhältnis zwischen Aktualität und Qualität statistischer Ergebnisse sowie die Nutzung neuer digitaler Daten waren Schwerpunktthemen der 54. Tagung des Statistischen Landesausschusses am Donnerstag in Bad Ems.

Präsident Marcel Hürter stellte erste Auswertungen zu den Folgen der Corona-Pandemie in Rheinland-Pfalz vor. Ein Blick auf die verschiedenen Wirtschaftsbereiche zeigt ein differenziertes Bild: Viele Branchen mussten in den vergangenen Monaten kräftige Umsatzeinbußen hinnehmen. Das Ausmaß des Einbruchs war unterschiedlich, was zum Beispiel die Entwicklungen in der Industrie und im Gastgewerbe verdeutlichen. Aber auch innerhalb der Wirtschaftsbereiche sind die Unterschiede groß: Im Einzelhandel verbuchten die Lebensmittelhändler sowie bestimmte Warenbereiche – etwa Bau- und Gartenmärkte – im März und April deutliche Zuwächse, während andere Bereiche, die stark vom Lockdown betroffen waren, sich nur langsam erholen. Die ausführlichen Ergebnisse der Analysen präsentiert das Statistische Landesamt zusammen mit dem Halbjahresergebnis des Bruttoinlandsprodukts am Donnerstag, 24. September 2020, auf einer Pressekonferenz in Mainz.

Spannungsfeld zwischen Aktualität und Genauigkeit

Die Erwartung an die Aktualität von Zahlen der amtlichen Statistik wächst; das hat nicht zuletzt die Corona-Krise deutlich gemacht. Der Landesausschuss befasste sich daher mit Lösungsansätzen für das Spannungsverhältnis zwischen Schnelligkeit und Genauigkeit. Diese müssten sich an den Nutzerbedarfen orientieren, aber auch Mindestanforderungen hinsichtlich der Belastbarkeit genügen. Während bei Konjunkturstatistiken Aktualität Vorrang habe, richteten sich die Ansprüche der Datenkonsumenten bei den Strukturstatistiken auf eine hohe Genauigkeit. Die Verkürzung von Lieferfristen für Konjunkturerhebungen würde berichtspflichtige Unternehmen vor neue Herausforderungen stellen, etwa, weil die Zeit für eine intensive Prüfung fehle. Das wiederum könne in der Aufbereitung im Statistischen Landesamt zu Mehraufwand führen. Der Landesausschuss betonte, dass sich das Streben nach Aktualität nicht nur an Bundes- und EU-Erfordernissen orientieren dürfe, sondern auch für die Länder und deren Regionen belastbare Ergebnisse nötig seien.

Mehr Daten, weniger Befragungen?

Schneller, flexibler, genauer und außerdem belastungsärmer für die Wirtschaft: Patrik Vollmer und sein Team vom Hessischen Statistischen Landesamt untersuchen, wie sich diese Ziele mit Hilfe neuer digitaler Methoden und Daten erreichen lassen. „Zurzeit betreuen wir einige vielversprechende Pilotprojekte“, erklärte Vollmer dem Gremium. „Dabei geht es einmal um den Einsatz von Künstlicher Intelligenz und maschinellen Lernverfahren zur Datenprüfung. Daneben testen wir, ob in der Tourismusstatistik anonymisierte Mobilfunkdaten zuverlässige Auskünfte zum Beispiel über Tagestouristen und Geschäftsreisende geben können.“ Ein weiteres Projekt befasst sich mit der Nutzung frei zugänglicher Informationen auf Firmen-Webseiten für Unternehmensstatistiken. Auch in der Landwirtschaftsstatistik könne man neue digitale Daten anwenden: „Hier ist der Einsatz von Fernerkundungsdaten zur Ernteschätzung denkbar“, so Vollmer.

Komplexe Unternehmensstrukturen in der Statistik korrekt abbilden

Komplexe Unternehmensstrukturen soll mit dem neuen EU-Unternehmensbegriff besser abgebildet werden. Ziel ist vor allem, in den Statistiken Verzerrungen zu vermeiden, die durch das Ausgliedern von Unternehmensbereichen entstehen. Der Landesausschuss informierte sich über die Chancen des EU-Unternehmensbegriffs sowie über die damit verbundenen neuen Begrifflichkeiten. 

Der Statistische Landesausschuss berät das Statistische Landesamt und die Landesregierung in Grundsatzfragen der Statistik. Er besteht aus Vertreterinnen und Vertretern der Ministerien, des Rechnungshofes, des Landesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit, der kommunalen Spitzenverbände, der Kammern, der Arbeitgeber- und Unternehmerverbände, der Gewerkschaften sowie der Wissenschaft. Der Ausschuss tagt einmal im Jahr.