Niedrigste Schülerzahl an berufsbildenden Schulen seit über 20 Jahren

Zu Beginn des Schuljahres 2018/19 besuchten rund 117.700 Jugendliche und junge Erwachsene eine berufsbildende Schule in Rheinland-Pfalz. Wie das Statistische Landesamt in Bad Ems mitteilt, war das der niedrigste Wert der vergangenen 20 Jahre. Gegenüber dem Vorjahr sank die Schülerzahl um etwa 2.300, im Zehnjahresvergleich sogar um rund 15.100. Der Rückgang ist im Wesentlichen auf den demografischen Wandel und die zunehmende Studierneigung zurückzuführen.

Rund 78 Prozent der Schülerinnen und Schüler an berufsbildenden Schulen absolvierten eine Aus- oder Weiterbildung; elf Prozent besuchten eine Schulform, die auf dem „zweiten Bildungsweg“ zur Erlangung der Hochschulreife führt. Weitere elf Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen nahmen an einer beruflichen Übergangs- oder Integrationsmaßnahme teil.

Geschlechterspezifische Unterschiede in der Berufswahl

Im Rahmen der Berufswahl zeigten sich unter den Jugendlichen auch im Schuljahr 2018/19 noch deutliche geschlechterspezifische Unterschiede. Schülerinnen belegten die Ausbildungen zur Erzieherin (4.700), Gesundheits- und Krankenpflegerin (2.900) und Kauffrau für Büromanagement (2.800) am häufigsten. Männliche Schüler präferierten hingegen technische Bildungsgänge wie die Ausbildung zum Elektroniker (4.600), Kraftfahrzeugmechatroniker (3.600) und Anlagenmechaniker (2.700). Während Frauen eher Gesundheitsfachberufe oder soziale Berufe wählten, entschieden sich Männer häufiger für eine technische Ausbildung. Ausnahme bildeten die kaufmännischen Ausbildungen, die sowohl unter den männlichen als auch den weiblichen Jugendlichen beliebt waren.

Herkunftsspezifische Unterschiede an berufsbildenden Schulen

Syrien (1.900), Afghanistan (1.200) und Russland (1.000) waren 2018/19 die häufigsten Herkunftsländer der Schülerinnen und Schüler mit eigener Migrationserfahrung. Gegenüber dem Vorjahr stieg die Zahl der Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus Syrien (plus 36 Prozent), Rumänien (plus 29 Prozent) und Iran (plus 24 Prozent) besonders deutlich.

Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund (22 Prozent) besuchten häufiger berufliche Übergangsmaßnahmen als Jugendliche ohne Migrationshintergrund (8,7 Prozent). Unter den seit 2015/16 aus den Regionen Syrien, Afghanistan, Iran und Irak zugezogenen Schülerinnen und Schülern absolvierten 2018/19 rund 48 Prozent eine berufliche Übergangsmaßnahme. Das ist im Wesentlichen darauf zurückzuführen, dass in Rheinland-Pfalz mit dem Bildungsgang „Berufsvorbereitungsjahr Sprache“ ein Bildungsangebot an Berufsschulen etabliert wurde, in dem insbesondere Schutz- und Asylsuchende sprachlich gefördert und gesellschaftlich integriert werden.

Die Zahlen stammen aus der Statistik der berufsbildenden Schulen. Bei diesen Einrichtungen werden im Rahmen der Erhebung jährlich zum Schuljahresbeginn Daten über Schülerinnen und Schüler, Absolventinnen und Absolventen sowie Lehrkräfte erfragt.
Ein Migrationshintergrund liegt in der amtlichen Schulstatistik vor, wenn eine Schülerin bzw. ein Schüler keine deutsche Staatsangehörigkeit hat, nicht in Deutschland geboren wurde und/oder in der Familie nicht Deutsch spricht.

Autor: Dr. Marco Schröder (Referat Bildung)