Strukturwandel schreitet weiter voran: Erste Ergebnisse der Landwirtschaftszählung 2020

Am 20. und 21. Januar 2021 findet die Internationale Grüne Woche statt. Sie steht unter dem Motto „rooting for tomorrow“ und behandelt aktuelle Themen in der Land- und Ernährungswirtschaft sowie im Gartenbau. Das Statistische Landesamt Rheinland-Pfalz in Bad Ems veröffentlicht aus diesem Anlass erste vorläufige Ergebnisse aus der Landwirtschaftszählung 2020 (LZ 2020).

Die Ergebnisse zeigen, dass die übergeordneten Tendenzen in der rheinland-pfälzischen Landwirtschaft weiterhin Bestand haben. Beispielsweise steigt die durchschnittliche Betriebsgröße bei sinkender Betriebszahl weiter, die ökologische Landwirtschaft wächst in ihrer Bedeutung, die Viehbestände schrumpfen, die Pachtpreise steigen.

  • Zum Erhebungsstichtag 1. März 2020 bewirtschafteten in Rheinland-Pfalz 16.400 Betriebe 709.700 Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche (LF).
  • Knapp 1.700 Betriebe bzw. zehn Prozent der Betriebe wirtschafteten ökologisch. Sie bewirtschafteten eine Fläche von 83.100 Hektar, wovon rund 13 Prozent in Umstellung von konventioneller zu ökologischer Bewirtschaftung befindlich waren.
  • Die meisten Betriebe (35 Prozent) haben ihren Produktionsschwerpunkt im Weinbau. Auf den Ackerbau sind 28 Prozent der Betriebe spezialisiert. Auf Futterbaubetriebe, wie z. B. Milchviehbetriebe, entfallen knapp 23 Prozent.
  • Der Strukturwandel macht auch vor dem Weinbau nicht Halt: Die Größenstruktur verändert sich hin zu weniger Betrieben mit mehr Rebflächenausstattung.
  • Rund 6.200 Betriebe haben Viehhaltung. Durchschnittlich verfügen sie über einen Viehbesatz von 46 Großvieheinheiten. Insgesamt schrumpft der Viehbestand des Landes weiter.
  • Die Anbindehaltung verliert weiter an Bedeutung. Neben der Betriebszahl und der Bestandsgröße wurden im Rahmen der LZ 2020 das erste Mal seit 2010 auch wieder die Daten zu Haltungsplätzen und Stallhaltungsverfahren aktualisiert.
  • Insgesamt sind 77.800 Arbeitskräfte in der rheinland-pfälzischen Landwirtschaft tätig, davon 21 Prozent vollbeschäftigt. Die Zahl der ständig familienfremden Arbeitskräfte steigt auf 14.500 Arbeitskräfte. Ihr Anteil an den Arbeitskräften insgesamt liegt bei 19 Prozent.
  • Nur in jedem fünften Familienbetrieb, dessen Leitung 55 Jahre oder älter ist, gibt es eine Hofnachfolge.
  • Der durchschnittliche Pachtpreis für landwirtschaftlich genutzte Fläche betrug 2020 rund 261 Euro pro Hektar (2010: 199 €/ha). Damit ist das durchschnittliche Pachtentgelt seit 2010 jährlich um rund 3,1 Prozent gestiegen.

Die hier dargestellten Ergebnisse stellen einen ersten Überblick über das Themenspektrum der LZ 2020 dar. Auf einer Sonderseite haben wir die wichtigsten vorläufigen Ergebnisse mit Grafiken, Tabellen und kurzen Texten zusammengestellt. Die endgültigen Ergebnisse der Landwirtschaftszählung 2020 werden von April an sukzessive veröffentlicht.

Erste Ergebnisse für ganz Deutschland werden am Donnerstag, 21. Januar 2021, um 10 Uhr in einer Online-Pressekonferenz vorgestellt.

Landwirtschaftszählungen werden in allen Mitgliedstaaten der EU durchgeführt und liefern wichtige Informationen zur Evaluierung und Weiterentwicklung der gemeinsamen europäischen Agrarpolitik. Sie finden etwa alle zehn Jahre statt. Befragt wurden anlässlich der durchgeführten Erhebung mit Stichtag 1. März 2020 alle landwirtschaftlichen Betriebe mit fünf Hektar und mehr landwirtschaftlich genutzter Fläche bzw. Betriebe, die über bestimmte pflanzliche oder tierische Mindesterzeugungseinheiten verfügten. Befragt wurden rund 18.000 landwirtschaftliche Betriebe. Auf der Basis einer Stichprobe wurden die Angaben von rund 6.300 vorab zu einem vorläufigen Landesergebnis hochgerechnet.
Ein Haupterwerbsbetrieb liegt vor, wenn 50 und mehr Prozent der Einkünfte des Betriebsinhabers bzw. des Betriebsinhaberehepaars aus dem landwirtschaftlichen Betrieb stammen.
Die Zahl der Arbeitskräfte bezieht sich auf den Jahreszeitraum vor dem Erhebungsstichtag.
Die betriebswirtschaftliche Ausrichtung (BWA) gruppiert die Betriebe nach dem Produktionsschwerpunkt. Der monetäre Standardoutput der einzelnen Produktionsverfahren wird dazu ins Verhältnis zum gesamten Standardoutput des Betriebs gesetzt. Eine spezialisierte Ausrichtung liegt dann vor, wenn mindestens zwei Drittel des Standardoutputs aus dem jeweiligen Produktionsverfahren stammen.
Als ökologisch gilt ein Betrieb, wenn er nach der EG-Verordnung Nr. 834/2007 wirtschaftet. Die Verordnung regelt die Bedingungen der ökologischen bzw. biologischen Produktion und die Kennzeichnung dieser Erzeugnisse für alle Produktions- und Vermarktungsstufen.
Regionalisierte Ergebnisse liegen voraussichtlich ab Juli 2021 vor.
Weitere methodische Hinweise: www.destatis.de/DE/Themen/Branchen-Unternehmen/Landwirtschaft-Forstwirtschaft-Fischerei/Landwirtschaftszaehlung2020/_inhalt.html

Autor: Dr. Pascal Kremer (Referat Landwirtschaft, Weinbau, Umwelt, Energie)