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Statistischer Landesausschuss: Zensus-Zwischenbilanz, Analyse für die IHK und Neuerung in Statistiken

Der Zensus 2022, Dienstleitungen für Statistiknutzende sowie Neuerungen in Erhebungen waren Themen der 56. Tagung des Statistischen Landesausschusses am Donnerstag im Marmorsaal des Bad Emser Kurhauses.

Der Zensus 2022 läuft nach Überzeugung von Dr. Stephan Danzer, stellvertretender Leiter des Statistischen Landesamtes, ohne große Probleme. Kleinere Störungen seien bei einer solchen Großzählung mit einer siebenstelligen Zahl an Befragten nie ganz auszuschließen. Natürlich sei es ärgerlich, dass Eigentümerinnen und Eigentümer eine Mahnung erhalten haben, obwohl ihnen nachweislich weder Erst- noch Erinnerungsschreiben zugestellt wurden. Das betraf aber nur 0,04 Prozent aller 1,5 Millionen angeschriebenen und habe sich auf das Gebiet eines Zustelldienstleisters im Raum Koblenz beschränkt.

Daneben habe sich auch der Registerbestand, auf den die Befragungen aufbauen, als stellenweise mangelhaft erwiesen. So seien in vielen Fällen nicht die aktuellen Eigentümer von Immobilien in den Registern vermerkt gewesen, was zu nicht zustellbaren Anschreiben und bedauerlicherweise auch zu Schreiben an Verstorbene geführt habe. Für den geplanten Umstieg auf einen rein registergestützten Zensus, der ohne Befragungen auskommt, müssten die bestehenden Register für die Statistikzwecke ertüchtigt sowie ein Gebäude- und Wohnungsregister aufgebaut werden. Zudem bedürfe es einer laufenden Qualitätssicherung der Register.

Da der Fokus der Berichterstattung auf der Gebäude- und Wohnungszählung gelegen habe, sei der Kernbereich des Zensus, die Personenerhebungen, medial kaum wahrgenommen worden. Das liege auch an der sehr guten Arbeit der Erhebungsstellen, die bei den Kreisverwaltungen bzw. den Verwaltungen der kreisfreien Städte angesiedelt sind, und natürlich an den gut 3.600 ehrenamtlichen Erhebungsbeauftragten, die die Vor-Ort-Befragungen erledigten. Danzer dankte allen Beteiligten für ihren Einsatz. Rheinland-Pfalz belege aktuell beim Aufbereitungsstand der Daten aus der Personenerhebung und bei der Gebäude- und Wohnungszählung im Ländervergleich einen Spitzenplatz.

Analyse im Auftrag der Industrie- und Handelskammern

Das Statistische Landesamt versteht sich auch als Dienstleister für die Aufbereitung der Daten im Auftrag öffentlicher und öffentlich-rechtlicher Stellen. Als Beispiel wurde dem Statistischen Landesausschuss die Clusteranalyse vorgestellt, die das Amt im Auftrag der Arbeitsgemeinschaften der Industrie- und Handelskammern im Land erstellt hat. Das Regionalmonitoring untersucht auf Ebene der Verbandsgemeinden Ähnlichkeiten bzw. Unähnlichkeiten für insgesamt 58 Indikatoren wie beispielsweise Innovation, Bildungslandschaft und Demografie.

Neuerungen im kommunalen Finanzausgleich

Eine wichtige Rolle spielt das Statistische Landesamt auch im kommunalen Finanzausgleich (KFA), der aktuell neu strukturiert wird. Das Referat Finanzstatistik hat im KFA die Aufgabe, die Bemessungsgrundlagen zu ermitteln, die Allgemeinen Zuweisungen und die Finanzausgleichsumlage zu berechnen, die Festsetzungsbescheide samt Unterlagen zu versenden sowie die Zahlbarmachung der Mittel zu steuern. Durch die Neuausrichtung des KFA, die eine Bedarfsorientierung und die Differenzierung nach Gebietskörperschaftsgruppen vorsieht, werden die Aufgaben komplexer. Die Mitglieder des Landesausschusses erhielten einen ausführlichen Einblick in das Projekt, das in mehreren Phasen agil durchgeführt wird.

Die Verdienststatistiken wurden komplett überarbeitet und liefern künftig aktuellere und an neue Nutzerbedarfe angepasste Ergebnisse. So lassen sich beispielsweise Verdienstverläufe darstellen. Für die rund 3.400 Betriebe im Land, die zu diesen Erhebungen auskunftspflichtig sind, wird die Datenübermittlung deutlich vereinfacht.

Umfassendere Auswertungsmöglichkeiten werden auch in den Bildungsstatistiken angestrebt. Das landeseinheitliche Schulverwaltungsprogramm, an dessen Entwicklung das Statistische Landesamt beteiligt ist, soll hierzu einen Beitrag leisten. Der Stand des Projektes und die Herausforderungen wurden den Mitgliedern des Landesausschusses vorgestellt.

Ein weiteres Thema war die Bevölkerungsvorausberechnung, die das Statistische Landesamt im Juni veröffentlicht hat.

Der Statistische Landesausschuss berät das Statistische Landesamt und die Landesregierung in Grundsatzfragen der Statistik. Er besteht aus Vertreterinnen und Vertretern der Ministerien, des Rechnungshofes, des Landesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit, der kommunalen Spitzenverbände, der Kammern, der Arbeitgeber- und Unternehmerverbände, der Gewerkschaften sowie der Wissenschaft. Der Ausschuss tagt einmal im Jahr.

Foto: 56. Tagung des Statistischen Landesausschusses am 8. September 2022

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