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Energieverbrauch der Industrie 2020 leicht gestiegen

Die rheinland-pfälzische Industrie benötigte im Jahr 2020 rund 84.347 Gigawattstunden Energie. Das waren nach Angaben des Statistischen Landesamtes in Bad Ems trotz Auswirkungen der Corona-Pandemie 0,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Vergleich zu 2010 ist ein Rückgang von 3,3 Prozent zu verzeichnen.

Die für Rheinland-Pfalz wichtige chemische Industrie ist mit 60.958 Gigawattstunden (plus 2,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr) der Wirtschaftszweig, der mit gut 72 Prozent den größten Anteil an der Energieverwendung hat. Bundesweit verbrauchte diese Branche 2019 mit rund 304.000 Gigawattstunden ebenfalls die meiste Energie (knapp 28 Prozent Anteil am Gesamtverbrauch der Industrie). Deutschlandweite Zahlen für 2020 liegen noch nicht vor. Wegen der großen Bedeutung der Chemiebranche weist Rheinland-Pfalz einen relativ hohen Anteil am bundesweiten Energieverbrauch der Industrie auf. Gemessen am bundesweiten Verbrauch 2019 betrug er rund acht Prozent. Zum Vergleich: Der Anteil der rheinland-pfälzischen Industrie am bundesweiten Umsatz lag im Jahr 2020 bei gut fünf Prozent.

Der rheinland-pfälzische Energieverbrauch 2020 im Wirtschaftszweig „Herstellung von Papier, Pappe und Waren daraus“ betrug 5.006 Gigawattstunden (plus 1,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr), jener im Bereich „Herstellung von Glas und Glaswaren, Keramik, Verarbeitung von Steinen und Erden“ 4.991 Gigawattstunden (minus 1,3 Prozent). Die metallerzeugenden und -bearbeitenden Betriebe in Rheinland-Pfalz verbrauchten im vergangenen Jahr 2.331 Gigawattstunden (minus 7,3 Prozent). Für die Herstellung von Gummi- und Kunststoffwaren wurden 2.171 Gigawattstunden und damit 2,6 Prozent weniger als im Vorjahr aufgewendet. 8.891 Gigawattstunden der eingesetzten Energie wurden in den übrigen Wirtschaftszweigen verwendet (minus 6,1 Prozent).

Im Jahr 2020 ist der Umsatz der rheinland-pfälzischen Industrie um 8,6 Prozent gesunken. Unter anderem aus diesem Grund benötigte sie mit 939 Kilowattstunden zur Erzielung von 1.000 Euro Umsatz rund 87 Kilowattstunden mehr Energie als im Vorjahr. Rechnet man die chemische Industrie heraus, ergibt sich für 2020 ein Wert von etwa 364 Kilowattstunden. In Deutschland lag der Wert für die Industrie 2019 insgesamt bei rund 547 Kilowattstunden. Ohne die chemische Industrie ergibt sich ein Wert von 422 Kilowattstunden. Die chemische Industrie in Rheinland-Pfalz benötigte für 1.000 Euro Umsatz 2.391 Kilowattstunden Energie. Das waren 287 Kilowattstunden mehr als im Vorjahr. Zu berücksichtigen ist hierbei, dass diese Branche einen beachtlichen Teil der Energieträger – z.B. Erdöl (Naphtha) und Erdgas – nicht energetisch, sondern als Ausgangsstoff für Produkte nutzt. Wie auch im Vorjahr entfielen rund 35 Prozent des Energieverbrauchs der Industrie in Rheinland-Pfalz auf diese Verwendungsform.

Wichtigster Energieträger der rheinland-pfälzischen Industrie ist Erdgas. Darauf entfielen 44.173 Gigawattstunden bzw. gut 52 Prozent des Energieverbrauchs (plus 4,4 Prozentpunkte seit 2010). Mineralöle bzw. Mineralölprodukte trugen 18.495 Gigawattstunden bzw. 22 Prozent bei (minus 15 Prozent seit 2010). Der Bedarf an Strom belief sich auf 14.084 Gigawattstunden (16,7 Prozent). Erneuerbare Energien (ohne Ökostrom) decken mit 1,6 Prozent einen geringen Anteil des Energieverbrauchs (plus 0,6 Prozentpunkte seit 2010). Aus Stein- und Braunkohlen wird ein Anteil von einem Prozent des Energieverbrauchs oder 859 Gigawattstunden gedeckt (minus 31 Prozent seit 2010). Die rheinland-pfälzische Industrie erzeugt 56 Prozent ihres Stroms in eigenen Kraftwerken bzw. Anlagen (7.818 Gigawattstunden).

1 Gigawattstunde (GWh)    = 1 Million Kilowattstunden (kWh)
1 Gigawattstunde    = 3,6 Terrajoule (TJ) = 3.600 Gigajoule (GJ)

Die Daten stammen aus der Jahreserhebung über die Energieverwendung der Betriebe des Verarbeitenden Gewerbes sowie des Bergbaus und der Gewinnung von Steinen und Erden. Befragt wurden rund 2.200 Einheiten. Der Umsatz stammt aus den regelmäßig stattfindenden Erhebungen im Verarbeitenden Gewerbe sowie im Bergbau und der Gewinnung von Steinen und Erden. Der Berichtskreis umfasst Betriebe dieses Wirtschaftsbereichs mit 20 und mehr Beschäftigten sowie alle produzierenden Betriebe von Mehrbetriebsunternehmen des produzierenden Gewerbes mit 20 und mehr Beschäftigten, unabhängig von der Beschäftigtenzahl des jeweiligen Betriebs.
Die Erhebung erfasst alle Formen der Energieverwendung, wie Einsatzenergie (z. B. zur Elektrizitäts- und Wärmeerzeugung) sowie die nichtenergetische Verwendung (z. B. als Rohstoff für chemische Prozesse). Soweit Energieträger als Brennstoffe zur Stromerzeugung in eigenen Anlagen der Betriebe eingesetzt werden, enthält der Gesamtenergieverbrauch Doppelzählungen (Energiegehalt der eingesetzten Brennstoffe und des erzeugten und selbst verbrauchten Stroms).

Autor: Dr. Pascal Kremer (Referat Landwirtschaft, Weinbau, Umwelt, Energie)

Ringdiagramm: Energieverbrauch im Verarbeitenden Gewerbe sowie im Bergbau und in der Gewinnung von Steinen und Erden 2020 nach WirtschaftszweigenSäulendiagramm: Energetischer und nicht energetischer Energieverbrauch des Verarbeitenden Gewerbes sowie im Bergbau und in der Gewinnung von Steinen und Erden 2010 bis 2020Balkendiagramm: Energieverbrauch im Verarbeitenden Gewerbe sowie im Bergbau und in der Gewinnung von Steinen und Erden 2020 nach ausgewählten WirtschaftszweigenBalkendiagramm: Energieverbrauch im Verarbeitenden Gewerbe sowie im Bergbau und in der Gewinnung von Steinen und Erden 2010 und 2020 nach ausgewählten Energieträgern

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