Statistische Analysen

Seit rund 20 Jahren gibt das Statistische Landesamt die Reihe Statistische Analysen heraus. Ausgewählte Themen werden ausführlich mit Texten, Grafiken und Tabellen dargestellt. In dieser Rehe erscheinen unter anderem die jährlichen Berichte zur Wirtschaft in Rheinland-Pfalz sowie Analysen zu Wahlen. Ein weiterer Schwerpunkt ist der demografische Wandel. 

Analyse: Der Tourismus in Rheinland-Pfalz

Die Statistische Analyse „Der Tourismus in Rheinland-Pfalz – Strukturen, längerfristige Trends und aktuelle Entwicklung“ bietet Informationen zur Gesamtentwicklung der Gästeankünfte und Übernachtungen, detailliertere Auswertungen zu den Herkunftsländern der Gäste und zu den verschiedenen Betriebsarten. Ferner beschreibt sie das touristische Angebot, das in der Zahl der geöffneten Beherbergungsbetriebe und der angebotenen Schlafgelegenheiten zum Ausdruck kommt. Die Publikation enthält darüber hinaus Angaben zu Unternehmens-, Beschäftigten- und Umsatzzahlen nach Unternehmensgrößenklassen, Wirtschaftszweigen und Tourismusregionen. Ergänzt wird sie durch neun Regionalprofile, in denen die wichtigsten Daten zur touristischen Nachfrage und zum touristischen Angebot in den neun rheinland-pfälzischen Tourismusregionen übersichtlich dargestellt sind.

Kernaussagen

Im Jahr 2024 zählten die rheinland-pfälzischen Beherbergungsbetriebe, die zehn oder mehr Schlafgelegenheiten anbieten, sowie die Camping- und Reisemobilplätze mit zehn oder mehr Stellplätzen zusammen 8,7 Millionen Gästeankünfte und 22,3 Millionen Übernachtungen.

Gemessen an der Übernachtungsintensität – das heißt, der Zahl der Übernachtungen je 1 000 Einwohnerinnen und Einwohner – liegt Rheinland-Pfalz im Bundesländervergleich im Mittelfeld (2024: Rang neun).

In längerfristiger Perspektive war trotz des massiven Einbruchs während der Coronapandemie ein Anstieg der touristischen Nachfrage zu verzeichnen. In Rheinland-Pfalz lagen die Gästeankünfte 2024 um 5,6 Prozent und die Übernachtungen um 5,7 Prozent über dem Niveau von 2014.

Im Vergleich zu den anderen Bundesländern wies der Tourismus hierzulande eine geringe Wachstumsdynamik auf, was zum Teil auf die Naturkatastrophe im Sommer 2021 zurückzuführen ist.

Rheinland-Pfalz ist bei Besucherinnen und Besuchern aus dem Ausland ein beliebtes Reiseziel. Im Jahr 2024 trugen Gäste mit Wohnsitz im Ausland 21 Prozent zum gesamten Übernachtungsaufkommen bei. Rheinland-Pfalz belegte damit Platz vier hinter den Stadtstaaten Berlin und Hamburg sowie Hessen.

Die Gäste aus dem Ausland bleiben in Rheinland-Pfalz länger als in den anderen Bundesländern. Eine Verweildauer von 2,8 Tagen bedeutete den Spitzenplatz im Ländervergleich.

Das Übernachtungsaufkommen der Gäste aus dem Ausland war in Rheinland-Pfalz 2024 noch immer wesentlich niedriger als vor dem Ausbruch der Coronapandemie (–10 Prozent). Die Übernachtungen von Gästen aus dem Inland lagen nur noch geringfügig unter dem Niveau von 2019 (–0,6 Prozent).

Auch in Deutschland waren die Übernachtungszahlen der Gäste aus dem Ausland 2024 noch deutlich niedriger als 2019. Mit –5,2 Prozent war der Rückstand aber nur etwa halb so groß wie in Rheinland-Pfalz; die Übernachtungen der Gäste aus dem Inland lagen bereits über dem Niveau von 2019 (+1,2 Prozent).

In Rheinland-Pfalz wie in Deutschland sind Hotels gemessen am Übernachtungsaufkommen die wichtigste Betriebsart. Die zweitwichtigste Betriebsart sind in Rheinland-Pfalz die Camping- und Reisemobilplätze. Für den Tourismus in Deutschland spielt das Campingsegment eine weit geringere Rolle. Eine weitere Besonderheit des rheinland-pfälzischen Tourismus ist die große Bedeutung der Ferienzentren.

Zwischen den Betriebsarten haben sich die Marktanteile deutlich verschoben. In Rheinland-Pfalz verzeichneten die Hotels garnis von 2014 bis 2024 den stärksten Übernachtungsanstieg. Ihr Übernachtungsaufkommen verdoppelte sich fast. Auch Ferienhäuser und -wohnungen sowie Camping- und Reisemobilplätze verzeichneten deutliche Zuwächse. Die kräftigsten Einbußen mussten die Gasthöfe hinnehmen.

Im Juli 2024 wurden in Rheinland-Pfalz 3 125 geöffnete Beherbergungsbetriebe mit zehn oder mehr Schlafgelegenheiten bzw. Camping- und Reisemobilplätze mit zehn oder mehr Stellplätzen gezählt, die 222 300 Gästebetten anboten.

Die Bettendichte lag 2024 bei 54 angebotenen Schlafgelegenheiten je 1 000 Einwohnerinnen und Einwohner, was Platz fünf im Ländervergleich bedeutet.

Die Zahl der Beherbergungsbetriebe nahm längerfristig deutlich ab. Im Jahr 2024 gab es in Rheinland-Pfalz 13 Prozent weniger Beherbergungsbetriebe als 2014. In Deutschland sank die Zahl der Betriebe im gleichen Zeitraum um 7,7 Prozent.

Rheinland-Pfalz ist das einzige Bundesland, in dem sich neben der Betriebszahl auch das Bettenangebot merklich verringerte. Im Juli 2024 boten die Betriebe 4,8 Prozent weniger Schlafgelegenheiten an als 2014 (Deutschland: +11 Prozent).

Von der Konsolidierung am Beherbergungsmarkt waren nicht alle Betriebsarten gleichermaßen betroffen. Entgegen dem allgemeinen Trend stieg die Zahl der Anbieter von Ferienhäusern und -wohnungen von 2014 bis 2024 deutlich. In Rheinland-Pfalz fiel der Zuwachs mit +38 Prozent wesentlich stärker aus als in Deutschland (+15 Prozent). Hierzulande erhöhte sich von 2014 bis 2024 auch die Zahl der Hotels garnis um elf Prozent, obwohl diese Betriebsart bundesweit erhebliche Einbußen verzeichnete (–9,6 Prozent).

Im Ländervergleich sind die Beherbergungsbetriebe in Rheinland-Pfalz relativ klein. Die durchschnittliche Betriebsgröße liegt bei 71 angebotenen Schlafgelegenheiten je Betrieb; das sind elf Betten weniger als im Bundesdurchschnitt.

Mit Abstand am größten sind die Ferienzentren, die in Rheinland-Pfalz 2024 im Schnitt jeweils 985 Schlafgelegenheiten anboten. Damit lagen sie weit über dem Bundesdurchschnitt (614 Schlafgelegenheiten). Die Camping- und Reisemobilplätze sind in Rheinland-Pfalz ebenfalls größer als im Bundesdurchschnitt.

Die rechnerische Bettenauslastung lag in Rheinland-Pfalz 2024 zwar unter dem Bundesdurchschnitt, jedoch stieg die Auslastung hierzulande in den vergangenen Jahren stärker als in Deutschland. Von 2014 bis 2024 erhöhte sie sich in Rheinland-Pfalz um 2,7 Prozentpunkte, während sie im Bundesdurchschnitt nur um 1,9 Prozentpunkte zulegte.

Die Zunahme der Bettenauslastung erstreckte sich in Rheinland-Pfalz über alle Betriebsarten. Die stärksten Zuwächse verzeichneten die Vorsorge- und Rehakliniken. Obwohl die Hotels garnis ihre Kapazitäten in den vergangenen Jahren stark ausweiteten, konnten sie ihre Auslastung ebenfalls kräftig steigern.

Im Jahr 2023 hatten 2 931 Unternehmen mit Sitz in Rheinland-Pfalz ihren wirtschaftlichen Schwerpunkt im Beherbergungsgewerbe. Davon waren mehr als zwei Drittel Hotels, Gasthöfe und Pensionen (69 Prozent).

Die Unternehmenslandschaft des Beherbergungsgewerbes wird sehr stark von kleinen Unternehmen geprägt. Im Jahr 2023 hatten 82 Prozent aller Beherbergungsunternehmen weniger als zehn abhängig Beschäftigte.

Die Unternehmen des rheinland-pfälzischen Beherbergungsgewerbes boten in ihren Niederlassungen inner- und außerhalb des Landes 22 100 abhängig Beschäftigten einen Arbeitsplatz. Etwas mehr als zwei Drittel des Personals waren sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Mit knapp einem Drittel ist der Anteil der geringfügig entlohnt Beschäftigten in der Branche deutlich höher als in der Gesamtwirtschaft (13 Prozent).

Die in Rheinland-Pfalz ansässigen Beherbergungsunternehmen setzten 2023 rund 1,7 Milliarden Euro um. Der Großteil der Erlöse wird von Hotels, Gasthöfen und Pensionen erzielt (82 Prozent).

Jede abhängig beschäftigte Person im Beherbergungsgewerbe erwirtschaftete im Durchschnitt 75 400 Euro. Im wichtigsten Teilbereich „Hotels, Gasthöfe und Pensionen“ war die Umsatzproduktivität etwas geringer (73 700 Euro). Die Personalintensität liegt in diesem Segment etwas über dem Branchendurchschnitt, da dort mehr Serviceleistungen angeboten werden als in den übrigen Teilbereichen des Beherbergungsgewerbes.

Die Zahl der Unternehmen mit wirtschaftlichem Schwerpunkt im Beherbergungsgewerbe sank von 2014 bis 2023 um 8,1 Prozent. Im gleichen Zeitraum wuchs die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um 13 Prozent. Die durchschnittliche Unternehmensgröße stieg von 4,2 auf 5,1 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte je Unternehmen.

Die nominalen Umsätze der Beherbergungsunternehmen nahmen von 2014 bis 2023 um 37 Prozent zu. Hierzu dürften auch die gestiegenen Preise für Beherbergungsdienstleistungen beigetragen haben. Die Umsätze aller Unternehmen im Land wuchsen im Betrachtungszeitraum deutlich stärker (+87 Prozent).

In Rheinland-Pfalz gibt es zehn Tourismusregionen. Besonders beliebt bei den Gästen ist die Region Mosel-Saar, auf die ein Viertel des gesamten rheinland-pfälzischen Übernachtungsaufkommens entfällt. Die Pfalz steht mit einem Übernachtungsanteil von 20 Prozent auf dem zweiten Platz.

Bei der Übernachtungsintensität liegt die Tourismusregion Mosel-Saar ebenfalls auf dem Spitzenplatz. Mit großem Abstand auf Rang zwei folgt die Eifel. Auch in der Region Ahr ist die Übernachtungsintensität trotz der starken Einbußen infolge der Naturkatastrophe überdurchschnittlich; die Region belegte 2024 bei den Übernachtungen je 1 000 Einwohnerinnen und Einwohner den dritten Platz.

Die Tourismusregionen haben sich in den vergangenen Jahren sehr unterschiedlich entwickelt. Sechs der zehn Regionen konnten zwischen 2014 und 2024 ihr Übernachtungsaufkommen steigern. Einen regelrechten Boom gab es in der Tourismusregion Rheinhessen. Dort erhöhten sich die Übernachtungen um ein Drittel.

Die Übernachtungen in der Region Ahr lagen 2024 noch um 44 Prozent unter dem Niveau von 2019. Die Einbußen wirken sich auch auf die Gesamtbilanz des rheinland-pfälzischen Tourismus aus: In den übrigen neun Tourismusregionen zusammengenommen erreichten die Übernachtungen 2024 schon wieder fast das Vor-Corona-Niveau.

Nach den Einschnitten durch die Coronapandemie und durch die Naturkatastrophe ist in der Region Ahr ein Aufwärtstrend erkennbar: In den Jahren 2023 und 2024 wuchsen die Zahl der Betriebe, die Bettenkapazität, die Gästeankünfte und die Übernachtungen in der Region mit zweistelligen Raten.

In einigen rheinland-pfälzischen Tourismusregionen ist der Anteil der Gäste aus dem Ausland am gesamten Übernachtungsaufkommen außergewöhnlich hoch. So steuerten Reisende mit Wohnsitz im Ausland in der Region Hunsrück 2024 mehr als ein Drittel zu den Übernachtungen bei (37 Prozent). Auch in den Regionen Mosel-Saar und Eifel war der Anteil von Besucherinnen und Besuchern aus dem Ausland mit 31 bzw. 29 Prozent weit überdurchschnittlich.

In den meisten rheinland-pfälzischen Tourismusregionen bilden die Niederländerinnen und Niederländer unter den Reisenden aus dem Ausland die mit Abstand größte Gästegruppe. In der Pfalz und in Rheinhessen sind die Besucherinnen und Besucher aus den USA die größte Gästegruppe aus dem Ausland. 

Der Anteil der Hotelleriebetriebe am Übernachtungsaufkommen variiert stark zwischen den Tourismusregionen. Besonders hoch ist der Anteil in Rheinhessen mit 89 Prozent. In der Eifel entfällt nur etwas mehr als ein Viertel der Übernachtungen auf die Hotellerie.

Auch gemessen an der Bettendichte belegt die Region Mosel-Saar den Spitzenplatz unter den zehn Tourismusregionen. In der Region kamen 2024 auf 1 000 Einwohnerinnen und Einwohner 204 Schlafgelegenheiten, weit mehr als in der zweitplatzierten Eifel (105 Gästebetten). Die Region Ahr folgt mit 68 Betten je 1 000 Einwohnerinnen und Einwohner an dritter Stelle.

In allen Tourismusregionen gab es 2024 weniger Beherbergungsbetriebe als 2014. Nur geringe Einbußen waren in der Region Rheinhessen zu verzeichnen (–0,9 Prozent). Währenddessen sank die Zahl der Betriebe in den Regionen Westerwald und Naheland jeweils um ein Viertel. Noch stärker fiel der Rückgang infolge der Naturkatastrophe in der Region Ahr aus; dort verschwand mehr als jeder dritte Betrieb vom Markt.

Die meisten Beherbergungsunternehmen haben ihren Sitz in den Tourismusregionen Mosel-Saar und Pfalz. Auf die Unternehmen dort entfallen auch die meisten Beschäftigten und die höchsten Umsätze.

Der Umsatz je Unternehmen ist in der Region Rheinhessen mit Abstand am höchsten. Dazu tragen größere Beherbergungsunternehmen mit mehreren Niederlassungen bei, die ihren Sitz in der Landeshauptstadt Mainz haben.

Nach dem Abschluss der ersten drei Quartale ist die Tourismusbilanz 2025 bislang positiv: Von Januar bis September konnten die rheinland-pfälzischen Beherbergungsbetriebe 2,1 Prozent mehr Gäste begrüßen als im Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Übernachtungen erhöhte sich um 1,3 Prozent.

Die Entwicklung verlief hierzulande günstiger als in Deutschland; dort stieg die Zahl der Gäste gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 0,7 Prozent bei unverändertem Übernachtungsaufkommen.

Das Gäste- und Übernachtungsplus ist fast ausschließlich auf Besucherinnen und Besucher mit Wohnsitz in Deutschland zurückzuführen. Die Übernachtungen von Gästen aus dem Ausland lagen um 1,8 Prozent unter dem Niveau der ersten neun Monate 2024. Dazu trug insbesondere die Reisezurückhaltung der US-Amerikanerinnen und -Amerikaner bei. 

Unter den zehn Betriebsarten entwickelte sich das Campingsegment besonders günstig. Von Januar bis September 2025 war das Übernachtungsaufkommen auf den Camping- und Reisemobilplätzen 15 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. Der Bedeutungsverlust der Gasthöfe, der bereits seit einigen Jahren zu beobachten ist, hielt auch 2025 weiter an.

In sieben der zehn Tourismusregionen waren die Übernachtungszahlen in den ersten drei Quartalen 2025 höher als im Vorjahreszeitraum. Die Region Ahr erholt sich weiter von den Folgen der Naturkatastrophe. Die Übernachtungen stiegen um 15 Prozent. 

Trotz des Anstiegs im aktuellen Jahr lagen die Gäste- und Übernachtungszahlen weiterhin etwas unter dem Vor-Corona-Niveau: Von Januar bis September 2025 wurden 2,3 Prozent weniger Gästeankünfte und 1,2 Prozent weniger Übernachtungen gezählt als in den ersten drei Quartalen 2019.