| Verdienste

Reallöhne im Jahr 2020 um voraussichtlich 0,9 Prozent gesunken

In Rheinland-Pfalz sind im vergangenen Jahr die Reallöhne gesunken – erstmals seit 2008. Die preisbereinigten Bruttomonatsverdienste der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer lagen nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Landesamtes um 0,9 Prozent niedriger als im Jahr 2019 (Deutschland: minus 1,0 Prozent). In den zurückliegenden zehn Jahren (2010 bis 2019) waren die Reallöhne im Durchschnitt jährlich um 1,4 Prozent gestiegen.

Die Entwicklung des Reallohnindex hängt von der Entwicklung der Verdienste und der Entwicklung der Verbraucherpreise ab. Der Index der Bruttomonatsverdienste der vollzeit-, teilzeit- und geringfügig beschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Produzierenden Gewerbe und im Dienstleistungsbereich sank 2020 um 0,4 Prozent; das war der erste Rückgang seit Einführung der Vierteljährlichen Verdiensterhebung im Jahr 2007. Ein Grund dürfte die Corona-Krise sein, wegen der viele Unternehmen Kurzarbeit anmelden mussten. Die den Berechnungen zugrundeliegenden Bruttoverdienste beinhalten ausschließlich die Zahlungen der Arbeitgeberseite. Kurzarbeitergeld ist eine sogenannte Lohnersatzleistung, die von der Bundesagentur für Arbeit ausgezahlt wird. Sie ist in den Zahlen nicht enthalten, so dass die Bruttomonatsverdienste 2020 niedriger ausfallen. Zwischen 2010 und 2019 stiegen die nominalen Verdienste jährlich um durchschnittlich 2,7 Prozent.

Da der Anstieg der Verbraucherpreise im vergangenen Jahr bei 0,6 Prozent lag, sanken die realen Löhne um 0,9 Prozent. Ein Preisniveauanstieg wie in den vorhergehenden Jahren hätte – bei gleichbleibender Entwicklung der Bruttomonatsverdienste – einen höheren Rückgang des Reallohnindex zur Folge gehabt. Zwischen 2010 und 2019 legten die Verbraucherpreise um durchschnittlich 1,3 Prozent pro Jahr zu.

Die Reallöhne entsprechen dem preisbereinigten Bruttomonatsverdienst einschließlich Sonderzahlungen (wie Leistungsprämien oder Weihnachtsgeld) der vollzeit-, teilzeit- und geringfügig beschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Produzierenden Gewerbe und im Dienstleistungsbereich. Bei einer positiven Veränderungsrate des Reallohnindex sind die Verdienste stärker gestiegen als die Verbraucherpreise, bei einer negativen Veränderungsrate ist es umgekehrt.
Die statistische Grundlage bildet die Vierteljährliche Verdiensterhebung in Rheinland-Pfalz. Hierbei werden etwa 2.200 Betriebe aus dem Produzierenden Gewerbe und dem Dienstleistungsbereich zu den Verdiensten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer befragt. Das hier dargestellte Jahresergebnis basiert auf den Ergebnissen der ersten drei Quartale 2020 sowie auf den vorläufigen Ergebnissen für das vierte Quartal. Endgültige Ergebnisse in detaillierter Darstellung werden voraussichtlich im März 2021 veröffentlicht.

Autorin: Dr. Melanie Nofz (Referat Unternehmensregister, Verdienste, Preise)

Balkendiagramm: Verbraucherpreise, Bruttomonatsverdienste und Reallöhne 2010 bis 2020

#Themen

Verdienste

Teilen

Zurück